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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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81V XXI. Der Eintritt der wissenschaftlichen Erdkunde in die Naturwissenschaften,

In der arktischen Region darf sich, wie unsere Übersicht ergab,der Mensch, soweit er auch noch vom Endziele selbst entfernt ge-blieben ist, schöner Erfolge rühmen; minder zufriedenstellend istder Erfolg der bisherigen Bemühungen um die Erforschung derllmgebnng des Gegenpoles der Erde. K. Frickers BuchAntarktis "(Berlin 1898) zieht die Summe dessen, was man beim Schlüssedes 19. Jahrhunderts thatsächlich wußte; wie viel noch zu thunübrig bleibt, zeigt uns Sudans Berechnung, welcher zufolge derbislang noch von keinem Menschen betretene Flüchenranm derSüdpolarzone demjenigen Europas au Größe kaum nachsteht.Cooks Spuren war in größerem Maßstabe zuerst wieder in denJahren 1819 bis 1821 der russische Seemann F. v. Bellingshausen(17781852) nachgegangen, der im ganzen 260 Längengrade zurück-legte und einige neue Inseln entdeckte. Die bisherige höchste Süd-breite von 74° 15' war 1823 diejenige, welche der RobbenschlägerI. Weddell südlich von den Süd-Orkaden bestimmte. Biscoeentdeckte 1830 Enderby- und Grahams-Land, 1834 Kemp dasKemp-Land, 1839 Balleny Clarie- nnd Sabrinaland, 1840Wilkes den seinen Namen tragenden Archipel, und beinahe gleich-zeitig ward James Roß (18001862), des gleichfalls berühmtenJohn noch thatkräftigerer Neffe, des Glückes teilhaftig, die beidenVulkane Erebus und Terror, aktive Feuerberge von sehr be-deutender Höhe, aus der Ferne sehen nnd so die wichtige Thatsachekonstatieren zu dürfen, daß das vulkanische Phänomen dieganze Erde nmfaßt. Roß erreichte den Parallel von 78° 9'.Dann traten, obwohl Nares, Dallmann, Bove den südlichenPolarkreis überschritten, längere Pansen ein, nnd erst in der aller-jüngsten Zeit ist dnrch Borchgrewingk und De Gerlache, derin die Nähe des südlichen Magnetpoles gelangt zu sein scheint,wieder ein tüchtiger Ruck uach vorwärts gemacht worden. Wasbis jetzt der Physiker der De Gerlacheschen Expedition, H. Arc-towski in Lüttich , über deren Ergebnisse bekannt gegeben, läßtbesonders in geophysikalischer Hinsicht großen Hoffnungen Raumgeben. Die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts werden, wie manjetzt mit vollster Zuversicht hoffeil darf, durch eine vom DeutschenReiche unterstützte Expedition ausgezeichnet sein, die sich ans die