Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
815
Einzelbild herunterladen
 

Die Palavntologie als selbständige Wissenschaft.

815

bis Ende des 19. Jahrhunderts" (München-Leipzig 1899) betont,die Versteinernngskunde noch ganz unter der von Cuvier gelehrten,später namentlich von L. Agassiz verteidigten Lehre von derUnVeränderlichkeit der Arten. Allerdings wurde letztere vonverschiedenen Paläontologen, die nns aus Abschnitt X bekannt sind,wie von Bronn und Quenstedt , keineswegs rigoros aufgefaßt,aber der Wunsch, möglichst scharf Gattungen und Arten bestimmenzn können, stand doch immer im Vordergrunde. Der sogenannteSchöpfungsplan, dnrch den von Anbeginn an eine Beziehungzwischen absterbenden und dafür iu die Lücke tretende!? neue»Formen bedingt sein sollte, fand unter den deutschen Fachmännernentschiedene Vertreter; Broun und Giebel sprachen sich nach-drücklich in diesem Sinne aus. Iu England teilten Sedgwickund H. Miller diesen Standpunkt, und E. Forbes (18151854)machte noch in seinem Todesjahre ansmerksam auf gewisse Rück-bildungen, deren Auftreten als ein Beweis dafür hingenommenward, daß nicht durchweg ein progressiver Trieb die Entstehungneuer Lebewesen regle. Immerhin war, und zwar gerade durchBronns von der französischen Akademie gekrönte Preisschrift(Untersuchungen über die Entwicklungsgesetze der organischen Weltwährend der Bildungszeit unserer Erdoberfläche", Stuttgart 1858),der Boden für die Aufnahme der Deszendenztheorie vorbereitetworden, und Bronn war es anch, der von dem fundamentalenWerke Darwins (0n tlis OiiZiir ok Lxsoiss kz? Nsan8 ok ^awral3<zl«zot,ioir", London 1860) die erste deutsche Ausgabe veranstaltete.Dieser Auffassung, die ja wohl auch hier und da so stürmisch undradikal hervortrat, daß die strenge Wissenschaft solche rein gedanklicherhaltene und durch die Erfahrung nicht mehr gestützte Konse-quenzen abzulehnen genötigt war, haben alle neueren Forschergehuldigt, und die Anzahl derer, welche noch mit den alten De-finitionen auszureichen glaubeu, ist jedenfalls nur noch eine sehrbeschränkte. Die Paläontologie ist in der glücklichen Lage, überein Werk zn verfügen, welches den Gesamtinhalt des modernenWissens, und zwar eben in einer den biogenetischen Anforde-rungen augepaßten Darstellung, übersichtlich vorführt. Es ist diesv. ZittelsHandbuch der Paläontologie" (München-Leipzig 1876