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XXII. Die Geologie der neuesten Zeit.
Lebensarbeit nicht mit so großartigen Ergebnissen hätte abschließenkönnen, wäre ihm nicht vergönnt gewesen, sich so tüchtiger Mit-arbeiter erfreuen zu dürfen, wie sie ihm in A. Schwager, einemhervorragenden Kenner der chemisch-geologischen Untersuchungs-methoden, in O. Reis, der sich besonders mit fossiler Ichthyologiebeschäftigte, in A. Leppla, H. Thürach, H, Loretz und namentlichin L. v. Ammon (geb. 1850) zur Verfügung standen — selbst-thätigen Forschern, deren Leistung gegenüber der dominierenden Per-sönlichkeit des obersten Leiters vielleicht nicht immer in gebührenderWeise hervortreteu konnte. Die Nachfolgerschaft in der Ober-aufsicht über die Landesaufnahme ist an v. Ammon übergegangen,der sich neuerdings hauptsächlich der bis 1845 ganz wenig be-achteten und auch seitdem nnr gelegentlich in Monographienbedachten Rheinpfalz annahm und auch zu den gründlichsten Er-forschern der deutschen Glazialbildungen zählt. Seine Charakteristikder Umgebung Münchens in geologischer Beziehung (1894) darfals ein Muster solcher Regionalbeschreibungen angesehen werden,wie sie als Führer bei Exkursionen zu dienen Pflegen.
Zu den in stratigraphischer Hinsicht best bekannten europäischenLändern gehört ohne Frage die Schweiz , deren Bodengestalt dem Forscherdoch genug Schwierigkeiten bereitet. B. Studer und A. Escher,der Sohn des Erbauers des Linthkanales, stehen hier am Eingangeeiner neuen Epoche, und die von beiden Männern herausgegebeneKarte hat noch 1894 eine dritte Auslage erlebt. A. Favre (Ab-schnitt X) uud E. Renevier (geb. 1831) haben die Alpen derfranzösischen Schweiz außerordentlich fleißig durchforscht; für Grau-bünden ist G. L. Theobald (1310—1869), für das schweizerischeHügelland ist F. Mühlberg (geb. 1840), sür die tektonisch rätsel-vollen GlarnerMpen sind A. Heim (geb. 1849) uud A. I. Roth-pletz (geb. 1853) bahnbrechend vorgegangen. Die schwerwiegendeKontroverse, welche bei dieser Aufnahmearbeit hervortrat, wird unsnoch in diesem Kapitel beschäftigen.
Unter welchen Umständen Österreich zu seiner GeologischenReichsanstalt gelangte, ist uns bereits bekannt. Die Leistungen,welche von derselben ausgegangen sind, haben die Bedenken, welchesich ihrer Begründung entgegenstellten, so vollständig wie nnr