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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XXII. Die Geologie der neuesten Zeit.

Vom Rumpfe Europas wende» wir uns seinen Gliedern zu.Die Pyrenäische Halbinsel stand, wie wir uns erinnern, lange Zeitsehr zurück, und erst 1864 gestattete die von E. Poulletier deVerneuil (Abschnitt X) und E. Collomb angefertigte Übersichts-karte eine wenigstens allgemeine Orientierung. Die seit 1872 inwirkliche Thätigkeit eingetretene Geologische Kommission Spaniens hat 60 Blätter, freilich noch in ziemlich großem Maßstabe, voll-endet, und ein paar Jahre später hat anch Portugal unterC. Ribeiro nnd I. F. N. Delgado eine fruchtbringende Wirk-samkeit zu entfalten begonnen. Weit schlimmer sieht es begreiflicher-weise mit der großen südöstlichen Halbinsel aus. Daß die Türkei an Leuten und an Geld zn schlecht bestellt ist, um wissenschaftlicheZwecke fördern zu helfen, versteht sich für jeden Kenner der dortigenZustände von selbst, nnd auch die kleineren, antonomen Balkanstaatenkönnen erst allmählich darau deukeu, solche weiter aussehende Arbeitenaufzunehmen. Die Geologische Landesanstalt Rumäniens konntekeine dauernde Thätigkeit entfalten; indessen haben Stefanescu,Draghiceanu nnd L. Mrazec tüchtige Darstellungen der GebirgSstruktur der Nordumrahmnug ihres Vaterlandes geliefert, nnd überdie Dobrndscha verbreiteten Licht K.Peters (1867) und J.F.Pom-pecki (1899). Als tüchtigster Keuner des Balkans gilt, nachdemv.Hochstetters Bereisung einen erstenGrund gelegt hatte, F.Toula ,der seit 1875 diesem unwegsamen Gebirge seine Aufmerksamkeit zu-wendet; Serbiens Kenntnis ist durch I. Cvijio, die Kenntnis Monte-negros durch K. Hassert mannigfach gefördert worden. Für Nord-griechenland und die aegaeischen Inseln brach eine bessere Zeit an,als von 1874 an österreichische Geologen Neumayr, Bittner,Teller dort ihre an neuen Aufschlüssen reichen Aufnahmen zumachen ausiugen; im Jahre 1880 schlössen sich ihnen deutsche Fach-genossen R. Lepsius, Bücking an, deren geologische Kar-tiernngsarbeit vornehmlich den klassischen Landschaften Attika undElis zu gute kam. Für den Peloponnes als Ganzes und für Thessalienschuf seit 1888 A. Philippson (geb. 1864) ein festes Fundament;zwar sind seine Arbeiten in erster Linie der Geographie gewidmet,allein mit richtigem Takte wird an einem beweiskräftigen Beispielegezeigt, daß die Erdkunde nnr auf geologischem Boden erwachsen