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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XXII. Die Geologie der neuesten Zeit.

mulativn gegenüber. Dieses Wechselspiel genau zu verfolgen,ist der Zweck der geologischen Dynamik, und wir hinwiederumwollen aus der ungeheuer stoffreichen Litteratur, welche darüberangewachsen ist, einen kurzen Auszug geben, wie er sich am bestendieser nur die Hauptpuukte berücksichtigenden Darstellung einzu-sägen scheint.

Vou deu Ansichten, die man sich in der ersten Hälfte deSJahrhunderts über die säkularen Verschiebungen der Wasser-linie gebildet hatte, ist zur Genüge die Rede gewesen. Der älterenAuffassung, welche im Lande das Feste, im Wasser das Beweglicheerblickt hatte, trat die Autorität L. v. Buchs entgegen, gegen dielange Jahre keine andere so leicht auszukommen imstande war.Und der Altmeister hielt, durch die Ersahrnngen seiner skandina-vischen Reise in einem ganz bestimmten Gedankenkreise sestgebannt,unentwegt daran fest, daß die Meere absolut unveränderlichseien, uud daß uur das Festland sich auf uud ab bewege.Auch noch geraume Zeit nachher war dies die allgemeine Meinung,die namentlich O. Peschel in seinen schon erwähnten Essays übervergleichende Erdkunde mit aller Grazie seines Stiles befürwortete.Auch die durch geschickte Sammlung und Interpretation aller füreine Verlegung der Wasserlinie sprechenden Kennzeichen sehr nützlichgewordene Schrift von F.G.Hahn (geb. 1852) (Untersuchungen überdas Aufsteigen und Sinken der Küsten", Leipzig 1879) steht nochnnter dem Einflüsse der Lehren v. Buchs. Dem gegenüber vertratin Wieu Eduard Sueß iu dem schon oben näher gekennzeichnetenWerke über das Erdantlitz, dessen zweiter Band (Prag-Wien -Leipzig 1888) ausschließlich diese Fragen behandelt, die schonvor mehr denn hundert Jahren von schwedischen Gelehrten ge-hegte Ansicht, daß Meeresumsetzuugeu die eigentlich maß-gebende Ursache seien. Immerhin riet Snesz, eine schon1848 von R. Chambers (1802 1871) gegebene Anregungaufgreifend, zur Anwendung einer neutralen Terminologie!spreche mau von einer positiven oder negativen Bewegung derNiveaulinie, so sei dasselbe erreicht, was man sonst durch dieWorteSinken des Landes" uudAufsteigen der Küste" ausdrücke,aber es sei der Art der Erklärung iu keiner Weise vorgegriffen.