Hypothesen über die Verschiebung der Knstenlinien,
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Man fehlte früher häufig darin, daß man die alten Strand-linien, deren Erforschung znmal auf norwegischem Gebiete folgeweifeA.Bravais, R.Lehmann(geb. 1845), TH.Kjerulf, A.M.Hansenund Ch. Sandler erfolgreich betrieben haben, durchweg als gleich-zeitig entstanden ansah; erst des Schweden G. de Geer glücklicheIdee (1888), die wirklich zusammengehörigen Schenermarkeu durchJsoanabafen zu verbinden und so klar darzustellen, bis zu welcherHöhe zu eiuer gewissen Zeit das Wasser wirklich reichte, hat auchdiesen Teil der dynamischen Geologie von einem ihm noch an-haftenden Elemente der Willkürlichkeit befreit. Kennzeichnen wir kurzden aktuellen Stand dieser Theorien, so können wir sagen, daßSueß' erster Satz, die eustatischen Meeresumlagerungenseien auf örtlichen Einbruch der Erdrinde nnd auf ander-wärts erfolgende Akkumulation von Schuttmaterial zurück-zuführen, faft allgemein gebilligt wird, wogegen der zweite seinerSätze, dem zufolge auch langsame periodisch-rhythmischeBewegungen der irdischen Wassermassen im Spiele seinsollen, nicht gleichmäßig dnrchzudringen vermochte. R. Siegerhat sogar auf Grund umsichtiger Prüfung der skandinavischen Ver-hältnisse, die vonL.P.Holmström nnd E. Bonsdorff teilweise mitZuziehung der Wahrscheinlichkeitsrechnung aufgeklärt worden waren,die tektonisch erfolgende Hebung des schwedischen Schildessehr wahrscheinlich gemacht, so daß also hier vielleicht eine Kom-bination zweier ganz verschiedenen Bewegungsformen anzunehmenwäre. Inwieweit die an den alten Telliamed des 18. Jahr-hunderts erinnernde Austrocknungstheorie von H.Trautschold(geb. 1817), die offenbar ein stetiges Sinken aller Erdmeere an-nehmen muß, vielleicht subsidiär eine gewisse Berechtigung bean-spruchen kann, bleibt der Entscheidung der Zukunft vorbehalten,ebenso wie die Lösung der schon in Abschnitt X gestreiften Streit-frage nach der wahren Ursache der merkwürdigen Erscheinung desangeblichen Tempels von Pvzzuoli. D. A. Brauns (geb. 1827)möchte das Gebäude als eine frühere Piseine ansprechen, wasfreilich eine sehr radikale Lösung des Knotens bedeuten würde.
Durch die wechselnde Wasserhöhe wird stets das Meeresuserin der einen oder anderen Weise beeinflußt, uud es liegt deshalb