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XXII, Die Geolvgie der neuesten Zeit.
nahe, jetzt gleich von den neueren Untersuchungen über Küsten-bildung zn sprechen. F. v. Richthofen in seinem „Führer",?t.Hettner(geb. 1859), Hahn, Philippson, Penck u.a. haben sichbemüht, möglichst umfassende genetische Tafeln der Küsten-formen aufzustellen, so daß mau also aus der Namengebuugsofort auf die Kräfte schließen kann, welche bei der Herausbildungeben dieser Art von Küste in Wirksamkeit gewesen sind. Die zer-störende Gewalt der Brand un gswoge untersuchten A. C. Ramsay(1814—1891) uud I. Geikie, aber erst v. Richthofens chinesischeReise stellte die — allerdings schon von Ramsay geahnte —gigantische Energie dieser in geologischer Vorzeit jedenfalls nochgroßartiger aufgetretenen Natnrkraft ins richtige Licht. Darnachkonnten, falls nur die Küste eine positive Bewegung der Grenz-linie von Wasser und Land aufwies, gewaltige Gebirgsmassen durchsogenannte Abrasion abgetragen und fortgeschwemmt werden.Aber anch dann, wenn nicht gleich tiefe Eingriffe in das Landgemacht werden, ist gerade eine steile Felsküste der Gefahr steterZerstörung durch die mit Felsblöcken beladenen Wellen, die nachGeikie ein förmliches Bombardement unterhalten, ausgesetzt.Zeuge dessen ist unter anderen die in ihrer Isolierung ein treff-liches Beispiel abgebende Felseninsel Helgoland , deren geologischeGeschichte u. a. 1848 K. M. W. Wibel, 1883 K. A. H. Sjoegren(1822—1893) und E.Tittel (1894) geschrieben haben; dieselbe wird,einem niemals ganz rastenden Snbstanzverluste ausgesetzt, ununter-brochen kleiner, wiewohl es — dies wies schon 1883 O. Schneider(geb. 1841) nach, und auderweite Bestätigungen folgten — nichtrichtig ist, dem Eilande eine dereinst sehr viel größere Ausdehnungzuzuschreiben. Der ausspülenden, minder widerstandsfähiges Gesteinbeseitigenden Aktion der Meereswellen wollten auch verschiedene Fach-männer, so G. vom Rath (1830—1888) und I. Nein, die Bildungjener tief ins Inland einschneidenden Buchten aufgebürdet wissen,welche mau als Fjorde aus Norwegen, Grönland und Südamerika kennt, deren geographische Verbreitung zuerst Peschel an der Handgenauer Karten zn ermitteln trachtete, und über deren äußere,morphographische Eigentümlichkeiten F. RatzelnndP. DinseLicht verbreitet haben. Neuerdings allerdings scheint die von Dana