Studien, über Küstcnbildung,
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angedeutete Hypothese, daß die Fjorde von Hause aus gewöhn-liche, später erst ius Meer hinabgetanchte Thäler seien,durch Oeyen und Eduard Richter (geb. 1848) eine so seste Be-gründung erhalten zu haben, daß die verschiedenen Erosionsthee rien,mochten sie nun dem fließenden Wasser oder — nach Helland —dem bewegten Eise die Hauptrolle zuteilen, nur noch sekundär ihrenEinfluß geltend machen können.
Besteht das Küstengelände nicht aus festem Gesteine, sondernaus weicherer Masse, und steigt es nicht steil aus dem Meere auf,sondern als Flachküste, so wird die auch jetzt nicht fehlende Zer-störungsarbeit einigermaßen paralysiert durch das Bestreben desin das Land eiugreifendeu Wassers, sich der mitgeführten Fest-körper durch Aufschüttung wieder zu entledigen. Neben denWellen streifen fortwährend auch die von O. Krümmel (geb. 1854)hierauf untersuchten Gezeitenströmungen Festlandteile ab, und wenngelegentlich unter dem Einflüsse meteorologischer Gleichgewichts-störungen größeren Betrages sogenannte Sturmfluten einsetzen,ist fast immer ausgiebiger Landverlust die Folge. Für Ostfries-land hat G. Eilker (geb. 1842), für die nordfriesifche Küste undden ihr vorgelagerten Jnselkranz E. Traeger, für die Niederlande A. Blink das Wesen solcher Katastrophen einläßlich geschildert.Geographischerseits hat man die im Lanfe langer Zeiträume vorfich gegangenen Küstenveränderungen häufig zum Zielpunkte mono-graphischer Erörterung gemacht; erwähnt seien nur TH.Fischers (geb.1846) Studien über die südfranzösische La guneuküste und diejenigenvon R. Credner (geb. 1850) über die vorpommerische Bodden-küste. K. Ackermanns „Beiträge zur physischen Geographie derOstsee" (Hamburg 1885) enthalten einen Schatz einschlägiger Beob-achtungen. Als erhaltenden Faktor sehen wir das Meer wirken,wenn es die von I. G. Forchhammer (1794—1865) und Senft(Abschnitt X) erforschten Marschbildungen veranlaßt, wenn es dieStrandwülle erbaut, die uach E. Pechuel-Loesche nirgendwo sogroßartig wie an der südwestafrikanischeu Loauda-Küste zu finden sind,und wenn es die längs aller sandigen Flachküsten zu findendenDünenwälle auftürmt. Das Wandern der Dünen, zumal imklassischen Lande —Haffküste der Ostsee — haben uns L. Sohncke,