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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Untersuchungen über daS Geoid.

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Wasserfläche gekennzeichnete Fläche, einerlei ob sie exaktgeometrisch sei oder nicht, als eigentliche Repräsentanz des etrvaSunbestimmten Wortes Erdgestalt betrachten und die Eigenschaftenderselben, für die sich der Name Geoid (^»«ä^-, Erde -ähnlich)empfehlen möchte, direkt studieren, um nachher die Übereinstimmungoder Nichtübereinstimmung mit einer nach mathematischen Gesetzengebildeten Fläche ergründen zu können. Das Geoid war offenbar,wie dies ja auch schon Gauß und Bessel erkannt hatten, eineFlüche, für deren sämtliche Punkte das kombinierte Poten-tial (Abschnitt III und VIII) der Schwere und Zentrifugal-kraft gleiche Werte annimmt. Was die Festlegung desselbenanlangt, so kann dieselbe nur durch das Ineinandergreifen dreierverschiedener Methoden erfolgen; ehe wir jedoch dieselben schildernkönnen, müssen wir einen Schritt rückwärts machen nnd kurz beieinem Zeitpunkte verweilen, den man Wohl als denjenigen derskeptischen Resignation bezeichnen könnte, der aber notwendig war,um die wahre Natur des überaus verwickelten Problemes, welcheses zu lösen galt, an das Licht zu bringen. Bis in die sechzigerJahre herein war der Standpunkt, auf den man sich stellte, undden auch die Baeyerschen Schriften zum Ausdruck bringen, etwader folgende gewesen. Die ruhige MeeresMche, durch Kanäle unterden Festländern fortgesetzt gedacht, hat eine geoinetrisch-sphäroidischeGestalt. Beliebig viele Gradmessungen, nach der Methode derkleinsten Quadrate sorgfältig ausgeglichen (Abschnitt III), mußtenunter dieser Voraussetzung stets deu nämlichen Wert der Abplattungliefern; des ferneren führen, einen schon 1743 von A. C. Clairaut gefundenen Lehrsatze gemäß, auch Messungen des Sekundenpendels(Abschnitt VI), au möglichst vielen Erdorten vorgenommen uuddurch die Wahrscheinlichkeitsrechnnng von Fehlern befreit, znrBestimmung der Abplattungsgröße. Dieser erwähntermaßen fürfast selbstverständlich gehaltenen Annahme trat I. PH. Fischer(18181887) schroff entgegen in einer Schrift (Untersuchungenüber die Gestalt der Erde", Darmstadt 1868), die sich allerdingswegen der Fremdartigkeit des Inhaltes und der ganzen Anschauungs-weise mir langsam ihre Geltung erkämpfte, nachgerade aber docheinen Umschwung in den bei der Erdmessung beteiligten .Kreisen