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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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878
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878 XXIII. Erdmessung und Erdphysik in der zweite» Hiilfte des Jahrhunderts

lierten Betrachtung der den Niveau- oder Geoidflächen zukommendenEigenschaften anhebt und insbesondere, auf den Attraktionskalkül(Abschnitt XV) gestützt, die für die gesamte Geophysik fundamentaleFrage erörtert, welche Gestaltverändernngen solche Flächenunter dem Einflüsse von Massenumsetzungen erleiden.Dadurch werden die älteren Berechnungen über die auf Inseln,an Festlandränderu nnd im Inneren der Kontinente obwaltendenSchwereverhältnisse, welche I. F. Saigey (17 9 718 71), I. Hann u. a,angestellt hatten, in ihrem Znsammenhange mit den Grundlehrenklargelegt nnd es kann zumal die von Faye zu Anfang der acht-ziger Jahre aufgestellte, im Anfange mit vielen Zweifeln auf-genommene Ansicht ihre Bestätigung finden, daß die Erdrindeunterhalb der Ozeane kompakter als unter den Fest-ländern sein muß. Nächstdem spricht sich Helmert auch überdie Möglichkeit aus, durch Kondensation aller störendenMassen auf einer sphärischen Hilfsfläche angenäherte Wertefür die irgendwo das Geoid vom Referenzellipsoide trennendenEntfernungen zn erhalten; dieselben sind nicht so bedeutend, wieman anfänglich gedacht hatte, und nach W. Hergesell (1891)werden sie kaum je 250 m im einen oder anderen Sinne über-steigen. Speziell für Europa wird deu Eröffnungen zufolge, welcheHelmert dem in Berlin zusammengetretenen Geographischen Welt-kongresse von 1899 machte, diese Zahl noch erheblich, nämlich aufetwa 100 m, eingeschränkt werden müssen. Auch daruach wirdgefragt, ob man durch Mondbcobachtnngen, wie dies Mauper-tius, I. A. Euler (1734 1800) und neuerdings I. Bischoff(1889) für möglich erklärt haben, zu einer Einsicht in die gestalt-lichen Verhältnisse des Geoides gelangen könne; die Theorie istunangreifbar, aber thatsächlich wird man auf diesen: Wege ebenso-wenig zu einem befriedigenden Resultate durchdringeu können, wiedurch Befolgung des von Laplace gegebenen Rates, aus gewissenStörungen der Mondbahn auf die Abweichung der Erde von derKugelgestalt zu schließen. Auch Helmert stimmt völlig mit dendurch Bruns normierten Maßnahmen für die weitere Thätigkeitder internationalen Erdmessung überein. Gradmessungen in Breiteund Länge, Schwerebcstimmnngen, nivellitische Festlegnngen der