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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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880
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880 XXIII. Erdmessnng und ErdphlM in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

parallclepipedischer Form, den ihnen das preußische Kriegsministerium,zusammen mit einer Kasematte in Spandan als Experimentier-raum, überlassen hatte. Damals fand sich /X. 5,505. Auch warman imstande gewesen, die vertikale Abnahme der Erd-anziehung für die beschränkte Höhe eines Zimmers als meßbarnachzuweisen. Ungemein exakt ist auch Wilsings (Abschnitt XIV)Versuchsanlage, bei der die Veränderung ermittelt wird, welche inder Bewegung eines schwingenden Doppelpendels eintritt, wennman ihm einen störenden Körper nähert; der Mittelwert ausWilsings Beobachtungen belief sich auf 5,579. Sehr geistvoll er-dacht, jedoch schwerlich so hoher Genauigkeit fähig sind die Methodenvon W.Läska(1889) und Berget (1892), die bei aller Verschieden-heit darin übereinkommen, daß ein mit Flüssigkeit gefüllter Raumeine stärkere Attraktion als ein ungefüllter ansübt. Nach LäskasAngaben wurden messende Versuche anscheinend noch nicht ausgeführt;nach Berget wäre ^ 5,41 zu setzen. Soviel steht also unterallen Umständen fest, daß der Wert der mittleren Erddichtezwischen 5 und 6 gelegen ist, was Newton schon 1687 ahnendvvrausgesagt hatte.

Hinsichtlich der Anordnung der Dichte im Erdinnerenhaben die Meinungen von jeher geschwankt. Soviel war klar,daß die Dichte der Erdrinde, deren Materialien man ja zum weit-aus größten Teile genau kennt, die Zahl 3 nicht überschreiten kann,nnd infolge dessen mußte eine Zunahme der Dichte mit der An-näherung an das Zentrum angenommen werden. Analytische Ge-setze über die Art dieses Wachstums haben 1863 R. O. S. Lip-schitz (AbschnittXV), später G.H.Darwin , Helmcrt, R.Radau(geb. 1835), Th. Stieltjes (18561894), P. I. O. Callandreau(geb. 1852) und, mit ausführlichster Begründung, Stapff auf-gestellt. Dasür, daß für die jeweilige Oberfläche eines Individuumsaus einer Schar ähnlicher und ähnlich liegender Ellipsoide dieDichte annähernd konstant sei, spricht O. A. A. Tumlirz' (geb.1856) gelungener Versuch, aus Schwerebeschleunignng und Ab-plattung das Dichtegesetz abzuleiten. Von der nicht unwahrschein-lichen Hypothese ausgehend, daß die Dichtedisferenzen innerhalbder Erde hauptsächlich iu stofflichen Verschiedenheiten begründet