V^I^ZS^».^FZ?V.. ^>
Verlegungen der Erdachse. 881
sein möchten, kam in neuester Zeit (1893) E. Wiechert zu demSchlüsse, daß einen namhaften Teil des Erdellipsoides ein Metall-kern von Eisendichte einnehme, und zwar folgt aus seinen Rech-nungen, daß dieser Keru, vielleicht noch weniger als die Außenflächeder Erde selbst abgeplattet, einen Durchmesser von 10 000 kmAusdehnung besitzen könnte.
Nachdem wir so über Gestalt und Größe des Erdballes diedein augenblicklichen Wissensstande entsprechende Orientierung ge-wonnen haben, werfen wir noch kurz einen Blick auf die Be-wegungsverhältnisse. Hier haben aber die Abschnitte V, VInnd XV schon großenteils vorgearbeitet; von den neueren Gründenfür die Achsendrehung, von der die Revolution augenfällig be-weisenden Jahresparallaxe, von Präzession uud Nutation, ja sogar(Abschnitt XXII) von den durch das Horizontalpendel signalisiertenPulsationen ist bereits die Sprache gewesen. Es verbleibt unsalso nur noch eine Nachlese. Erwähnt darf werden, daß die Be-schleunigungen und Hemmungen, welche, wie auch Kautherausgefühlt hatte, auf die Erdumdrehung einwirken, vonRobert Mayer, H. Hertz , E. Taegert u. a. in Betracht gezogenworden sind; nach S. Newcomb, Eh. Delaunay und vor allemnach S.V.GlasenaPP (Abschnitt XIII) ist die Möglichkeit, daß kleineIrregularitäten der Tagesdauer mit uuterlauseu, uichtganz zu leugnen; doch erheben sich dieselben seit Jahrtausendenkeinenfalls über ganz winzige Beträge. Wichtiger ist die Frage,ob die Erdachse, von den erwähnten Bewegungen und von derdurch F. I. PH. Folie (geb. 1833), Niesten und Ronkar seit1883 lebhaft verteidigten, jedenfalls sehr kleineu Tagesnntationabgesehen, eine stabile Lage hat, oder ob nicht vielleicht, woraufzuerst Bessel (1818) und H. HaedenkamP (1809—1860) (1853)hinwiesen, infolge von Massennmsetzungen eiue gewisse Ver-schiebung der Achse im Inneren des Erdkörpers anzunehmenwäre. Aus älteren Theoremen von L. Euler und Legeudre(Abschnitt III) erhellt, daß kontinuierliche Verschiebungen, wie solchenach P. Schwahn und E. A. Lamp durch die Fortführung vonSchwemmstoffen in Flüssen oder durch ozeanischen Wasseraustauschzwischen den beiden Erdhemisphüren bedingt sein könnten, einen
Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 56