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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Breiten- und Längenbestimimmg,

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Die mathematische Geographie im engeren Sinne oderdie Lehre von der geographischen Ortsbestimmung wirdvon obiger Frage natürlich ebenfalls berührt. Neue Methodender Breitenbestimmnng hat unsere Epoche nur wenige zn ver-zeichnen; neben der Talcottschen verdient insbesondere das Ver-sahren des amerikanischen Kapitäns Suinner Erwähnung, welchesin schwierigen Füllen durch einfache Zeichnung den Schiffsort auf-zufinden gestattet. Der Seemann, wie auch der wissenschaftlicheReisende halt sich an die dnrch Tabellen wesentlich vervollkommneteBestimmung der Sonnenhöhen im Mittagskreise. Was diegeographische Lange anlangt, so herrscht aus hoher See dieMethode der Monddistanzen noch immer vor, von I. Challis(18031882) auf die vorzunehmenden Korrektionen geprüft (1854),und die Verfertigung guter, tragbarer Uhren oder Chrono-meter hat sich derart vervollkommnet, daß ein solches Instrumentim Uhrenprüfnngsinstitute der Hamburger Seewarte, welcheden Uhrgang bald in der Temperatur heißer Dämpfe, bald inderjenigen des Eises kontrolliert, nur minimale Unregelmäßigkeitenaufweisen darf. Näheren Aufschluß über diese hochwichtige Seite derBeobachtungskunst erteilt E.Gelcich(geb. 1854) (DieUhrmacherkunstund die Behandlung der Präzisionsuhren", Wien-Pest-Leipzig 1892). Da, wo Telegraphenliuien zur Verfügung stehen, hatman für die Bestimmung der Zeit- und Längendifferenzen durchwegdie Methode der elektrischen Zeitübertragung gewählt, unddie Sternwarten Europas sind durch solche Operationen, mitdenen man 1851 begann, verbunden worden. I. v. Lamont,K. L. v. Littrow (18111877), Bruhns, Th. Albrecht u. a.leiteten diese Arbeiten, die natürlich erst möglich geworden waren,als Mitteleuropa durch die Thätigkeit eines Werner Siemens ,A. v. Steinheil, H. Militzer (geb. 1823), K.E.Zetzsche (1830 bis1894) u. a. von Drähten bedeckt war; neuerdings hat anch die sub-marine Depeschiernng ihr Werk zn verrichten begonnen. Als N ormal -meridian gilt bei allen Völkern, bedauerlicherweise die Franzosenausgenommen, seit Beginn der achtziger Jahre derjenige vonGreenw ich, für den sich namentlich anch der Deutsche Geographentag

des Jahres 1884 erklärte. Der künftige Forschnngsreisende findet

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