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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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892
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892 XXIII. Erdmessung und Erdphysik in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

Der Gesteinsmagnetismus, auf den man nach J.G.H.Hell-manns (geb. 1854) Forschungen bereits im 16. Jahrhundert auf-merksam geworden war, wurde in uenerer und neuester Zeit sehreingehend studiert, nachdem zuerst A. v. Humboldt und G. Bischofdie Notwendigkeit solcher Studien betont und an drastischen Bei-spielen den starken Eisenmagnetismns solcher Gesteine, vorab derLaven, kennen gelernt hatten. G. Folgheraiter und PH. Kellerin Rom , denen sich noch zahlreiche andere Italiener anreihten,lieferten uns eine Fülle von Daten, die auch des theoretischenInteresses nicht ermangeln. Inwiefern der Gebirgsmagnetism us,über den E. Naumnnn in Japan nnd van Rijkevorßel inNiederländisch-Jndien ausgedehnte Erfahrungen gesammelt haben,mit dem Verborgensein eisenhaltiger Gesteine zusammenhänge, stehtnoch dahin; Thorpe und Rück er haben sich zn gunsten derletzteren Auuahme ausgesprochen, wogegen Naumauu (DieErscheinungen des Erdmagnetismus in ihrer Abhängigkeit vomBau der Erdrinde", Stuttgart 1887) tektonische Motive für dieiu der Nähe mancher Gebirge erkennbaren Unregelmäßigkeiten imAuftreten der magnetischen Erdkraft verantwortlich machen will.Alle Gebirge weisen solche Anomalien nicht auf; dahiu gehört z. B.der von M.Eschenhagen , dem Leiter der magnetischen Abteilung desPotsdamer Institutes, durchforschte Harz, obwohl in der RegelSchwerestörungen und magnetische Störungen vereintauftreten. Vielleicht rührt dies davon her, daß der Harz einnraltes Gebirge ist, während bei viel später gestörten, gefalteten,geknickten Rindenpartien die subterranen Kräfte, wie man wohlannehmen darf, sich noch nicht vollkommen zur Ruhe begeben nnddas Gleichgewicht wiedergefunden haben. So möchte auch P. Andriesan Ablenkungen jener elektrischen Erdströme appellieren, diednrch I. v. Lamout (Der Erdstrom und der Zusammenhang des-selben mit dem Magnetismus der Erde", Leipzig 1862), R. Wolf,E. Schering, H. Wild, P. E. Müller u. a. in ihrem oft rätsel-hasten Verhalten verfolgt wurden, uud deren Theorie in aller-ueuester Zeit (1900) von B. Weinstein monographisch dargestelltward. Bei Bergbesteigungen gewährt das von O. E. Meyerersonnene Gebirgsmagnetometer die Möglichkeit, sich über die