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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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918
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918 XXIII. Erdmessung und Erdphysik in der zweiten Hälfte deS Jahrhunderts.

von R. Credner (1888) und F. G. Hahn (1896) ans sichgezogen.

Die Gezeitenlehre, welche die durch cölestische Anziehung aus-geloste, tägliche Doppelwelle zu betrachten hat, steht in der Haupt-sache noch jetzt auf dein von Laplace (Abschnitt VI) bereiteten Boden,ist aber, wie die Schriften von Airy (,On ?iäss auck Wavss«,Edinburgh 1847) und F. Auerbach (Die theoretische Hydro-dynamik, nach dein Gange ihrer Entwicklung in neuester Zeit iuKürze dargestellt", Braunschweig 1881) zeigen, doch erheblich überden Altmeister hinausgegangen. Abgesehen von Airys Kanal-theorie, der keiue aktuelle Bedeutung mehr zuerkannt werdenkann, und der von Ferrel vertretenen Meinung, das; beim Gezeiten-phänomene stehende Schwingungen die Hauptrolle spielten,stehen sich in unserer Zeit die wesentlich nur noch hvdegetisch unddidaktisch zu verwertende statische Theorie nnd die praktischallein bedeutsame dynamische Theorie gegenüber. Erstere sandbei Airy uud in W. Thomson-Taits ,1rsatisö cm 5>g.wral.?llilo8opll?", (Oxford 1367; I.Band deutsch durch H. v. Helm -holtz uud G.Wertheim) eiue klassisch zu nenueude Charakteristik.An der Fortbildung der dynamischen Fluttheorie, welche durchDarstellung der praktisch wichtigen Elemente Flnthvhe, Hafen-zeit in Reiheufvrm nicht bloß eine allgemeine Übersicht, sondernkonkrete Lösungen darzubieten gesouueu ist, haben W. Thomson,G. H. Darwin , van der Stok in Batavia und nnter denDeutschen mit hohem Erfolge K. N. I. Boergen (geb. 1843)gearbeitet. Die von der reinen Orbitalbewegung untrennbarenGezeitenströme, als Kanalströme zuerst 1851 von Sir F. W.Beechey in Betracht gezogen, hat W.Thomson als die natürlicheKonsequenz dieser Art von Wellenbewegung hinzustellen gewußt.Hier und da kompliziert sich die verwickelte Erscheinung dnrch dasEindringen der Flutwelle in Flußmündungen (Mascaret);hierüber orientierten uns die Beschreibungen nnd Erklärungen vonKrümmel, Cvmvy, Bazin, v. Schleinitz und O. Lenz (geb.1848), der das zumeist vom Amazonas und chinesischen Flüssenbekannte Stauphäuvmen auch in Afrika wahrgenommen hat. Dienahe verwandten Wirbelbildnngen der Scylla und Charybdis