Albeitshypvthesen und Fvrschungsmittel,
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Einblick in den innersten Zusammenhang der Dinge anstreben läßt,der eigentliche Urgrund der Phänomene ausgedeckt. Dahin gehörtin allererster Linie der Faradaysche Krastlinienbegriff samt denMaxwellschen Erweiterungen, dahin die Annahme, daß neben dengewöhnlichen Stoffteilchen auch die durch ihre Beweglichkeit gekenn-zeichneten Ionen den Raum erfüllen, dahin endlich die elektro-magnetische Lichttheorie, welche die Überzeugung verstärke» mußte,daß es der Zukunft noch beschicken sein werde, alle Bewegungeu,so spezifisch sie sich auch auf den ersten Blick ansnehmcn mögen,auf eine generelle Ursache zurückzuleiten. Und mit dieser reingeistigen Vertiefung und Erweiterung unserer Kenntnisse, die einefast ungeheuer zu nennende Hinausschiebung unseres Gesichtskreisesbedingten, geht Hand in Hand eine noch weit mehr in die Augensallende Vervollkommnung der Mittel, mit deren Hilse nur dieNatur zwingen, uns zn willen zn sein und nns Verrichtungenabzunehmen, welche — soweit darau überhaupt früher gedachtwerden kounte — Hunderte vou Menschen in Aktion setzen mußten.Wenn wir die Worte Spektralanalyse und Luftverflüssigung,Elektrotechnik und Roentgen-Radioskopie aussprecheu, sohaben wir damit die Kluft, welche zwischen unS und der drittenGeneration vor uns klafft, genngsam charakterisiert. Die Kinetikdes Äthers aber hat unS auch dazu besähigt, eiue ratiouellcAuffassung des Wesens der Bewegungslehre anzubahnen, welcheselbst uralte Fragen, mit denen man schon ganz und gar fertigzn sein glaubte, in völlig neuem Lichte erscheinen läßt. Der dritteBand der nach des Autors Tode herausgegebenen sämtliche» Werkevon H. Hertz („Die Prinzipien der Mechanik in neuem Zusammen-hange dargestellt", Leipzig 1894) mag wohl als ein ZuknnstS-programm dieser grundlegenden Wissenschaft erscheinen, dessen Ein-lösung dem herangebrochenen Jahrhundert überlassen bleibt.
Die Chemie ist, wie van t'Hoss andeutet, in dem einenPunkte überlieferter Anschauung treu geblieben, daß sie noch jetztden Gegensatz Element-Verbindung ausrecht erhält. Nicht uurjedoch hat sie die Anzahl der Elemente, von denen vor hundertIahren erst eine viel kleinere Menge bekannt war, auf rund achtzigerweitert, sondern sie hat eS auch dahin gebracht, der Astronomie