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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XXIV, Rückblick und Ausblick,

in der Entdeckung unbekannter Systemglieder Konkurrenz machennnd -r prioi-i auf das Daseiu nener, noch unbekannter Grundstoffemit vorgezeichneten Eigenschaften schließen zu können, die dannauch wirklich aufgefunden wurden, L. Meyer, Mendelejew ,Kl. Winkler stehen nnter diesen begnadeten Entdeckern im Vorder-gründe. Und weiterhin siel mit der Ausbildung der Chemie dieirrige Vorstellung, daß die Moleknlarstrnktur der sogenanntenorganischen Substanz vou derjenigen der anorganischen im innerstenWesen verschieden sei. Woehlers Darstellung des Harnstoffe,Berthelots Znsammensetzung der Ameisensäure habeu mit demunfaßbaren Postulate einer chemisch thätigen Lebenskraft einfür allemal aufgeräumt, und Pasteurs Versuch, die gefalleneDefinition unter einem neuen, anscheinend bestechenden Gesichts-punkte wieder ausleben zu lassen, mußte schließlich auch wiederausgegeben werden. Die Synthese der Farbstosfe, Alkaloideund Glykosen, wie sie durch v. Baeyer, Graebe, Lieber-mann, Ladenbnrg, die beiden Fischer n. a. in die Wege ge-leitet worden ist, hat den Triumph der Knnst im Zerlegen undAufbauen dem Auge der ganzen Welt offenbart nnd den Nach-folgern die berechtigte Hoffnung erweckt, eine Fülle ähnlicher,noch ungelöster Aufgaben auf gleiche Art bewältigen zu können.Valenzlehre uud Stereochemie führten weiter, was im Hin-blicke auf eine mathematische Behandlung einschlägiger Fragen vonRichter, Wenzel, Dalton, Gay-Lussac , Graf Avogadroangebahnt worden war, und ganz ebenso entstand unter den Händenvon Guldberg nnd Waage ein wirkliches Lehrgebäude derchemischen Statik, wie es Graf Bertholtet mehr denn sechzigJahre zuvor mit prophetischem Auge geschaut hatte, ohne esmangels der erforderlichen Banmaterialien selbst schon i» be-fricdigender Festigkeit ausrichten zu können. Die Thermo- nndElektrochemie endlich haben, dank den rastlosen Anstrengungeneines Horstmann, Thomsen, Gibbs, H. v. Helmholtz, Ost-wald, Arrhenius, Nernst , nm bei einigen besonders bekanntenNamen stehen zu bleiben, das stellenweise minder sichtbar gewordene,wenngleich zu keiner Zeit gänzlich abgerissene Band zwischen Physiknnd Chemie neu geschlungen uud deu osmotischen Druck als