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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Bentham vertreten. Die Unterschiede, welche Mill vondiesem Standpunkt trennten, verkannte Carlyle. Trotz ur-sprünglich zwischen ihnen bestehender Freundschaft trat erspäter auch zu Mill in entschiedensten Gegensatz. Er rech-nete ihn nicht besser als die übrigen Professoren deräisraalsoiönes", mit welchem Namen Carlyle die Nationalökonomieseiner Tage beehrte. Schon in frühen Jahren erklärt sichCarlyle gegen die individualistische Richtung der National-Ökonomie seiner Zeit und diese Abneigung ist mit den Jahrengewachsen, weil er in ihr die volkstümlichste Form der Auf-lösungstendenzen erblickte, deren Bekämpfung sein Dasein galt.Angenommen," sagt Carlyle,ein Staat beschränke sich, wiejene Lehre verlangt, auf den Schutz des Eigentums, so wirdauch er das nicht thun und seinen eigenen Bestand nichtlange schützen können."

Die Gesetze der Nationalökonomie, entnommen der Privat-wirtschaft des Kaufmanns, sind auf beschränktem Gebietenicht unrichtig, aber entsprechen nicht dem Wesen des Staates.Herr Mengemann, wie wir den Namen des CarlyleschenVertreters der Nationalökonomie, Mc. Croudy, verdeutschenwollen, erklärt z. B., daß man die Kolonien aufgeben solle,weil ihre gegenwärtige Verwaltung mehr koste als einbringe.Nach ihm ist die Erzielung von Reingewinn die' erste Regelauch für die Beherrschung eines Reiches. Carlyle erwidert,daß England danach auch Irland aufgeben müsse, das eben-falls viel koste, daß Middlescx sich vou Surrey , die eineGrafschaft, die eine Gemeinde, ja zuletzt das eine Individuumsich vom andern trennen müsse.

Ganz besonders aber zeigt sich die Unzulänglichkeit derTheorie, welche die Gesellschaft aus der Selbstsucht des In-dividuums ableitet, in der auch von ihr zugestandenen Über-macht des Geschlechtstriebes über den Trieb nach Gewinn.An jenem ersten nnd natürlichsten Motiv zur Aufopferungindividuellen Daseins zeigt sich eben bereits, wie hoch dieInteressen des Geschlechts über denen des einzelnen stehen.Wenn Malthus den Arbeitern sagt, daß sie es in derHand haben, ihre Verhältnisse durch Enthaltsamkeit und da-