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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
125
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Man kann ihn so als den äußersten Pnnkt jener Rich-tungen betrachten, welche das achtzehnte Jahrhundert durch-ziehen. Wenn daher die Utilitarier sich für die Verkündereiner neuen Weltordnung halten, so ist ihnen zn erwidern,daß sie vielmehrein Nachtrab seien, der so weit hinter denandern zurück ist, daß er sich für einen Vortrab hält".-)

In dein Benthamismns sah Carlylc die stärkste derMächte der Auflösung. Er trägt nicht Bedenken, denselbendem Christcutum direkt entgegenzusetzen. Dieses hat nichteinen theoretischen, sondern einen moralischen Zweck, ist dahervoll von Glaubensclemcnten, ohne welche moralische Ein-wirkung unmöglich ist. Jener hat in erster Linie intellek-tuelles Interesse, sein Mittelpunkt ist der Egoismus deseinzelnen, daher er Glanbensvvrstcllungen verwirft und Weltwie Gesellschaft materialistisch erklärt.

Das von der Theorie unter der Bezeichnung als Lust-gefühl aufgestellte Ziel des menschlichen Handelns heißt indie praktische Sprache des neunzehnten Jahrhunderts über-setzt: Macht oder Geld. Für den jungen Mann, der desletzteren genug hat, ist der Wunsch seines Lebens:tc> rissiu xar-Imiusut". Nicht sachliche Gründe entscheiden, WelcherPartei er bcitritt, sondern vielmehr die Aussicht, welche sichseinem Ehrgeiz bietet. Ein Beispiel hierfür ist der jungeDisraeli, der, nachdem er als Kandidat der äußersten Linkendurchgcfallen war, zu den Tories überging. Für die meistenaber tritt das Streben nach Macht hinter der Geldgierzurück. Politische Macht wird mehr uud mehr als Mittelder Bereicherung betrachtet. Aller politische Kampf neigtdahin, znr Gcldspekulation zu werden: man wagt Summeneines möglichen ungeheuren Gewinnes willen.

Gleich den Satirikern des alten Roms wird Carlylenicht müde, die ,,g,uri saara, taniss" seiner Zeitgenossen zn

des modernen England ", dessen Eigentümlichkeitunbedingte Kritikdes bestehenden Rechtes aus Beruuustspostnlaten unter absoluterVerwerfung des Gewordenen als solchen sei".

Vergl. LiU'tm- kskArtus, deutsche Ausgabe von Krekschmm ,

S. 180.