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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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geißeln. Das, was der Engländer am meisten fürchtet, sagtCarlyle, was man in der Sprache älterer Zeiten als seineHölle bezeichnen könnte, istnot snLLösäiiiA", d. h. kein Geldzu machen. Alle Verhältnisse, welche zwischen Menschen be-stehen, lösen sich heute in Geldverhältnisse auf. Gesellschaftist nichts als eines-sli-iikxns". Jede Verpflichtung deseinen gegen den anderen wird als eine durch Geld zu er-ledigende betrachtet. Thatsächlich bedeutet ein solcher Zustandvollständige Isolierung des Einzelnen und gegenseitige Ver-nichtung.

Die äußeren Formen.

Mit deninneren" sind auch dieäußeren Formen"heute im Untergehen. Arbeit im Carlyleschen Sinne ist heuteunmöglich. Keine Thätigkeit geschieht mehr um ihrer selbstwillen, jede in Rücksicht auf das allein anerkannte, selbst-süchtige Ziel.

Insbesondere aber zeigen sich auf dem wichtigsten Ge-biet menschlicher Thätigkeit, dem der Regierung, die unheil-vollen Folgen der Zeitrichtung, welche den Schein an dieStelle der Wirklichkeit setzt. Nach Carlyle wird nur nochdem Scheine nach regiert; die Rcgierer ziehen den Lohn ein,ohne dafür die entsprechende Arbeit zu verrichten; die, welchethatsächlich die Macht ausüben, sind von den äußeren Zeichenderselben ausgeschlossen.

Zunächst fragt Carlyle.- wie geschieht die Auswahl un-serer Herrscher, dieses wichtigste soziale Geschäft, 'dessen Er-folg oder Mißerfolg das Endresultat der gesamten Gesell-schaftsorganisation darstellt? Unseren Vorfahren ist es ineinem relativ hohem Grade gelungen, die zur Herrschaft be-fähigten auf die ihnen zukommenden Plätze zu heben. Siebesaßen ein bestimmtes Ideal des Mannes. Mit den Glau-bensvorstcllungen ist dem modernen Menschen notwendigauch der Maßstab menschlichen Wertes verloren gegangen.Das einzige, was er am Nächsten schätzt, ist lediglich Reich-tum und die Fähigkeit, solchen zu erwerben. Ein äußeresZeichen der Herrscherlosigkcit oder Anarchie ist die bunt zu-