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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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Einleitung.

(Larlfles Leben und innere Entwickelung.

Carlyle sagt irgendwo, daß der Schriftsteller zu den mäch-tigsten unter den Menschen gehöre, indem er weit über sein Lebenhinaus Zeiten und Völker sich Unterthan mache, daß insbesonderein der Gegenwart er thatsächlich der Herrscher sei, weil er ammeisten die Macht habe, den Willen seiner Mitmenschen zu beein-flussen. Soweit dieser Satz wahr ist, gehört Carlyle selbst zu denmächtigsten Männern unserer Zeit. Sein Einfluß ist um so tief-greifender geworden, je langsamer er sich Bahn brach. Bei Beginnseiner Laufbahn hatte Carlyle schwer um Anerkennung zu kämpfen.Selbst Nahrungssorgen blieben ihm nicht unbekannt in jener Zeit,als er für sein erstes größeres Werk, den seitdem so bekannt ge-wordenenSartor Resartus", vergeblich nach einem Verleger suchte.Dies alles aber konnte ihn nicht veranlassen, seine Ansichten oderauch nur seinen Stil dem Geschmack des Tages anzupassen; erhätte ein solches Verfahren schlechthinseine Feder verkaufen" ge-nannt. So war er gezwungen, seinen Leserkreis sich selber zu er-ziehen. Keine leichte Aufgabe; denn für ein Ohr, das an die Glätteder Macaulayschen Sätze gewöhnt war, mußte Carlyles Ausdrucks-weise zunächst fast etwas Abstoßendes haben. Seine Sprache erschienunenglisch, weil sie zu englisch war. Sein Stil erschien schwülstig,unbeholfen, ja sogar lächerlich dort, wo in der altertümlichen Sprech-weise eines abgelegenen schottischen Dorfes gewaltige Gedanken undgewaltigere Leidenschaften nach Ausdruck rangen. Hierzu kam dieEigentümlichkeit und Fremdartigkeit dieser Gedanken selbst.

.Als man ihn später notgedrungen anerkannte, blieb er langesür die meisten ein Kuriosum. In diesem Manne, der einer Zeit,welche sich unerreichter Aufklärung und nie dagewesenen Fortschrittesrühme, mit den Strafgerichten Gottes drohte, schien einer jenerfinsteren Puritaner, ein Genosse Cromwells , um zwei Jahrhundertezu spät geboren.

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