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Viertes Kapitel.(Larlvles Stellung zur künftigen Entwicklung.
^. Die inneren Formen.
Das Problem, welches der Gegenwart znr Lösung ge-stellt ist, lautet nach Carlyle dahin: werden wir imstandesein, den Individualismus, welcher heute die den Menschenbeherrschende Macht ist, zu überwinden und an seiner Stattsoziale Motive wieder zur Geltung zu bringen? Diese Frageläßt sich auf die andere zurückführen, besitzt nnsere Zeit dieKraft, an Stelle der veralteten und abgestorbenen Idealeneue zu schaffen, d. h. die Religion im weitesten Sinn inciue neue zeitgemäße Form zu bringen? „Der alte, göttlicheCalvinismus," sagt Carlyle, „erklärt, daß sein alter Körperin Fetzen zerfallen und vernichtet ist. Sein eutkörperter undneue Verkörperung suchender Geist pfeift wieder in denWinden, jetzt noch Geist und Gespenst, aber dennoch neueGeisterweltcn und bessere Dynasticen als die Dollar-Dynastieankündend."*)
Einem doppelten Irrtum tritt Carlyle in dieser Hin-sicht entgegen, welcher sich bei klein gesinnten Menschen nurgar zu leicht einstellt. Fehlerhaft ist das Bemühen, die über-lieferten Glaubensformen künstlich festzuhalten. Carlyle warzeitlebens ein Gegner aller reaktionärer Richtungen, wiesolche in den aristokratischen Kreisen damals verbreitet waren.
Andere glauben nicht weniger irrtümlich, daß man eineneue Religion erfinden könne. „Invsutkr uns rsliAicm" istvon französischen Staatsmännern empfohlen worden. Diesenwie jenen Bestrebungen liegt der gleiche Irrtum zu Grunde:beide gehen von einer utilitarischen Auffassung der Religion
*> ?ast anä ?ig8snt S. 279.