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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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Erstes Kapitel.Carlyles Theorie der Gesellschaft.

Trotz alles Einflusses deutscher Gedanken ist die Car -lylesche Weltanschauung original. Der Gegensatz zwischenIndividualismus uud Altruismus war für ihn so bedeutendgeworden, daß er nicht nur seine eigene Entwicklung, sondernanch die der menschlichen Gesellschaft unter diesem Gesichts-punkte beurteilte.

Das Ursprüngliche sind nach Carlyle Verhältnisse desreinen Individualismus, iu denen der einzelne nur sich selbst,die eigene Erhaltung und den eigenen Genuß will uud dasDasein der andern, soweit sie ihm hinderlich sind, verneint.Es sind das gesellschaftslose Zustände, das bsUrun oraräruncontra ownks. Nicht größere körperliche Fähigkeiten nunhaben den Menschen über das Tier emporgehoben. Ebenso-wenig war es der Verstand, welcher, von dem auch den Tierengegebenen sinnlichen Wahrnehmungsvermögen nur dem Gradenach verschieden und ausschließlich auf das Material dersinnlichen Erfahrung angewiesen ist. Das ganze Gebiet desDenkens ist nach Carlyle ähnlich den körperlichen Fähigkeitenzum Zwecke der Erhaltung des Individuums entwickelt.

Vielmehr ist es das Leben in gesellschaftlichen Zuständen,was den Menschen vom Tier unterscheidet. Alle Gesellschaftaber beruht nach Carlyle auf dem Erwachen altruistischerMotivationsweise, d. h. auf einem gewissen Quantum vonEntsagung und Hingebung auf feiten des einzelnen. Carlylebezeichnet dieses die menschliche Gesellschaft begründende Ele-ment alsLoyalität", dieses Wort in einem viel weitereuSinn als gewöhnlich geschieht, nehmend. Dieselbe ist demnur die egoistischen Motive begreifenden Verstände schlechter-dings unverständlich, daher sie dem Menschen als etwas jen-

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