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man Jahrhunderte lang habe anwachsen lassen, zur Begleichungvorzeigte. Schon in seinem Leben Friedrichs hat er vorhergesagt,daß Preußen sich zum ersten Staate Deutschlands, vielleicht Europas emporentwickeln werde. Jetzt war seine Prophezeiung in der Er-füllung begriffen. So schrieb er in einem Briefe au Fronde: „Vonkeinem so merkwürdigen Kriege habe ich je gelesen und ich erwarte,daß seine Resultate heilsamer, großartiger und hoffnungsvollersein werden, als die von irgend welchen anderen Kriegen in meiner
Zeit.--Seit alten Zeiten ist Deutschland die friedliebendste,
frömmste und stärkste und von allen Nationen am meisten Respekteinflößende gewesen. Deutschland sollte Präsident von Europa seinund wird auch dem Anscheine nach wieder auf fünf Jahrhundertemit deni Amte betraut werden."
Am 4. Februar 188l beschloß Carlyle sein langes Leben —ein Leben unveränderlicher Wahrhaftigkeit und unausgesetzter Arbeit.Die höchsten Ehren, welche ihm Disrasli angeboten hatte, hatte erausgeschlagen; die einzige Auszeichnung, die er annahm, war derPreußische Orden des von Friedrich dem Großen gestiftete l?our-Is-Nsrits. Carlyle wurde auf dem kleinen Dorfkirchhof zu Eccle-fechan neben den Gräbern seiner Eltern beerdigt; eine Beisetzungin der Westminsterabtei hatte er nicht gewünscht. So ist der kleineFriedhof des abgelegenen schottischen Dorfes heute ein Wallfahrtsortfür Besucher aus England uud Deutschland, aus Amerika undAustralien — mit Recht, denn keiner hat so viel wie er gethan zurBegründung einer alle germanischen Völker umfassenden Geistes-genossenschaft, eines Panteutonismus im edelsten Sinne des Wortes.