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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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auf, die, so verschieden sie waren, doch für Carlyle zu deu größtenin der Geschichte gehörten, die Luthers , Goethes und Friedrichs desGroßen.Nicht jeder Deutsche ist weise diese Überzeugung drangtsich einem aus," schrieb er, der Bewunderer uud Kenner des deut-schen Genius, von der Reise nach Hause. Aber trotzdem und trotzder schlaflosen Nächte, welche ihm die schlechten Betten der deutschen Gasthäuser bereiteten, kehrte er als ebenso warmer Freund Deutsch-lands zurück, wie er gekommen war. Während er den Krimkriegverdammte und den amerikanischen Bürgerkrieg geteilten Herzensbeobachtete, waren die größte Freude seines Alters die Ereignissevon 1866 und 1870, die zu der Gründung des Deutschen Reichesführten.

Vorher aber sollte ihn noch ein schwerer Schlag treffen; imApril 1866 starb seine langjährige Genossin. Nicht ganz wolkenloswar zeitweise ihre Ehe gewesen. Aber diese Wolken waren verzogen,uud wie Carlhle den Tod seiner Frau empfand, welche er in derAbteikirche zu Haddiugton in der Gruft ihres Vaters beisetzte,zeigt die von ihm entworfene Grabschrift:Hier ruhet JaneWelsh Carlyle, die Gattin von Thomas Carlyle, Chelsea, London .Sie wurde in Haddington am 14. Juli 1801 geboren als das einzigeKind von John Welsh und seiner Frau Grace Welsh. In ihremlichten Dasein hatte sie mehr Kummer als viele andere, aber aucheine sanfte Unüberwindlichkeit, eine Klarheit der Unterscheidungund eine edle Hingebung des Herzens, die selten sind. VierzigJahre lang war sie die treue und liebende Genossin ihres Gatten,und hat ihn unermüdlich durch Wort und That gefördert, wie nie-mand anders es Hütte thun können, in allem Würdigen, das erjemals vollbrachte, oder zu vollbringen strebte. Sie starb in Lon-don am 21. April 1866, ihm plötzlich entrissen, und das Licht seinesLebens war erloschen."

Carlhle war damals bereits über 7V Jahre alt, aber nochfast 14 Jahre überlebte er seine Frau. Seine litterarische Thätig-keit war beendet; er verbrachte seine Tage mit Lesen, Diktieren vonBriefen und Erinnerungen sowie demOrdneu seinerzahlreichen Papiere.Es war ein schönes, ernstes Greisenalter: immer mehr zog sich seinGeist auf Goethe, von dem er sagte, daß er seinnächster Nachbar"sei, und das alte Testament zurück.

Nur einmal trat er noch an die Öffentlichkeit, und zwar injeuem Briefe an dieTimes" während des Krieges 1371, in welchemer seinen Landsleuten darlegte, wie Frankreich zu Elsaß-Lothringengekommen sei und wie Deutschland jetzt lediglich eine Rechnung, diev. Schulze- v ernitz, Carlyle . 3