Druckschrift 
Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

36

scitiges, alsinüuits",m^stsrions",rsliZions" erscheint.Carlyle wendet sich, ähnlich wie Comte, gegen alle Theorien,welche die Gesellschaft aus individuellen Trieben ableiten.Falsch vor allem ist die Vertragstheorie, die ein durchausungeschichtliches Individuum voraussetzt. Unrichtig, obwohlder Wahrheit viel näher, ist die Annahme, daß die Gesellschaftdurch Gewalt gegründet sei. Denn in der Natur ist imreiuen Jndividualkampf ums Dasein das Werk des Starkendie Vernichtung, nicht die Unterwerfung des Schwachen. Dortdagegen, wo sich ein Herrschaftsverhältnis ausbildet, ist derGrund zur Gesellschaft gelegt. Die Herrschaft des Starkenüber den Schwachen ist der Urtypus aller Gesellschaft, dieTeilung in Herrscher und Beherrschte die ursprünglichsteArbeitsteilung,

Dieses Herrschaftsvcrhältnis, beruhend auf dem Willendes einzelnen, seine Persönlichkeit der Umgebung aufzuzwingen,ist nicht aus dem Egoismus abzuleiten, wiewohl ursprünglichmit ihm reichlich versetzt. Sind doch Aristokratieen nur solange stark, als sie die Macht, nicht den Genuß verfolgen.Auf feiten der Beherrschten ist es die Furcht, die zunächstzum Gehorsam treibt. Aber sehr bald werden auch hieraltruistische Motive wirksam. Keine Herrschaft kann sich aufdie Dauer halten, der nicht von feiten der Unterthanenetwas von Hingabe entgegengebracht wird. Mehr und mehrgewinnt die letztere das Übergewicht.Hsrovwrsnix", d. h.Verehrung des Starken durch den Schwachen, die Unterord-nung des Beherrschten unter den Herrscher wird mehr undmehr die Grundlage aller gesicherten Gesellschaftsverhältnisse.Selbst in der rohestcn Menschengemeinde unterwirft sich derMensch niemals gänzlich der rohen Gewalt."

Wie weit einer herrscht oder beherrscht wird, ist nichteine Frage der persönlichen Willkür, noch weniger vom Ge-setze abhängig. Ein jeder herrscht, soweit er herrschen kann,und wird beherrscht, soweit er beherrscht werden muß.DerMensch ist stets der geborene Leibeigene gewisser Menschen,der geborene Herr gewisser anderer Menschen, der geboreneGleiche gewisser noch anderer, möge er nun diese Thatsachen