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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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anerkennen oder nicht. Es ist ein Unglück für ihn, wenner sie nicht anerkennen kann. Alsdann befindet er sich ineinem chaotischen Zustande und schwebt in Gefahr unter-zugehen."*)

Herrscher ist der mächtigere, zunächst der körperlich stär-kere, aber uie der allein körperlich stärkere, mehr und mehrder gesellschaftlichere, was für Carlyle nicht nur den besseren,sondern den einer intuitiven Einsicht fähigeren, d. h. denweiseren bedeutet. Die englischen Sachsen hatten nichtschwächere Knochen als ihre normannischen Bcsieger. Aberdie letzteren waren die gesellschaftlicheren, eine durch vieleBande in sich und mit ihreni König verbundene Gemeinschaft.Im Vergleich zu ihnen lebten die Sachsen in gesellschafts-losen Zustäudeu, Darum waren die Normannen ihre ge-borenen Herrscher, sie wareuin der Lage, England zu be-herrschen".Indem sie das thaten, handelten sie, wenig be-wußt einer solchen Funktion, als eine ungeheuere freiwilligePolizeimacht, über das gauze Land stationiert, in feudalenRegimentern zusammengefaßt, stets bereit zur Aktion: starketeutonische Männer, welche sich im ganzen als erfolgreicheMänner bewährten und dieses wilde teutonische Volk zu Ein-heit und friedlicher Zusammenarbeit drillten, besser als anderees gethau haben würden."

Gehen die herrschenden Klassen als die gesellschaftlicherenden beherrschten in der Entwicklung voran, so sind es docheinzelne Menschen, die altruistischen Denkens nnd Handelnsmehr als ihre Zeitgenossen fähig, die Fortschritte in der Ge-schichte hervorbringen. Sie sind dieHelden" (nsross), welcheursprüngliche Zeiten als Götter oder Halbgötter verehrten.Noch hente sind sie die wichtigste Erscheinung ihrer Zeit.Carlyle teilt den Glauben Goethes an die Bedeutung dergroßen Männer für die Entwicklung der Menschheit daßeinzelne Menschen durch das, was von ihnen ausging,ihrem Zeitalter eiu Gepräge aufdrückten", währenddasZeitalter es war, das den Sokrates durch Gift hinrichtete.

*) Bergl. Carlyle, ?ast a,nä ?rsssnt Buch IV, Kap. I.