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frägt Carlyle in bitterem Hohn, „die Methode der altenSpartaner vorzuziehen? Sie hetzten ihre Heloten und spießtensie nieder, wenn sie zu zahlreich wurden. Wie viel leichterwürde eine solche Hetze sein nach Erfindung der Feuerwaffen,selbst in dem dichtest bevölkerten Lande würden drei Tagejährlich genügen, um alle wehrhaften Proletarier niederzu-schießen."*)
Carlyle selbst kannte die Furcht vor Übervölkerung nicht.Was man so nannte, war nur ein Zeichen davon, daß dieKraft des germanischen Stammes noch ungebrochen fortdauerte.Vielleicht war dieser gerade heute daran, die Welt von neuemzu überfluten, wie er einst gethan. Carlyle erkannte dasRecht der Eroberer an, welche alternde Gesellschaften besei-tigen oder reorganisieren. Er kam damit den Ideen Darwinsnahe. Denn dessen EinWurf gegen Nützlichkeit der sogenann-ten „prsvsntivö onsoks" wäre gewesen, daß die mit demAnwachsen der Bevölkerung verbundene Steigerung desKampfes nins Dasein die natürliche Auslese und damit dieVervollkommnung der Art befördere, während man durchjene künstlichen Mittel gerade diese günstige Wirkung ge-fährde.
Wie sehr Carlyle aber die Pfeile seines Spottes gegendie Malthusianer richtete, so hat er doch in Malthus selbst,welcher bekanntlich einer historisch induktiven Methode folgt,nie einen Vertreter der von ihm bekämpften individualisti-schen Nationalökonomie gesehen. Vielmehr war es JeremiasBcntham, welchen Carlyle innerhalb seiner Zeit als seineneigentlichen Antipoden betrachtete. In ihm schienen die in-dividualistischen Richtungen ihren Vereinigungspunkt gefundenzu haben. Er erst hatte die äußersten Konsequenzen jenerWeltanschauung gezogen, die nur das Gesetz der Schwereund den Hunger als bewegende Mächte anerkennt.**)
*) Vergl. Lki-tor kssa,rtus, Ausgabe von Kretzschmar, S. 177.**) Das; Bentham in der That der eigentliche Vertreter deslltilitariertums und der Philosoph der klassischen Nationalökonomieist, erkennt Held (Zwei Bücher zur sozialen Geschichte Englands 1881) an. Er bezeichnet Bentham als „den eigentlichen Propheten