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wie ein Mann, lieber heute wie morgen.“ „UnsereFührer sind politische Eunuchen, Verräter am Volke; siefürchten im Falle des Misslingens von ihren kurulischenSesseln zu stürzen.“ „Diese Kerls unterjochen genau wieder heutige Staat. Sie reden von Kleinarbeit und Or-ganisation. Hat die russische Revolution solche nötig?“ —Diese Verbindung von Materialismus und Proletariat istgewiss höchst marxistisch; aber schwerlich haben diedeutschen Gewerkschaften ein Interesse an solchemMarxismus, der bei fehlschlagendem Putsch und General-streik rückschrittlich wirken müsste . 31
Kritik: Obgleich politische Freiheit und wirtschaft-licher Fortschritt zur Ueberwindung des SozialrevolutionärenNihilismus das Beste tun müssen, so ist doch eine theoretischeKritik dieser Marxischen Grundlagen nicht überflüssig.Zunächst ist offen zuzugeben: das Soll über dem Sein,den Wert über der Natur, die Idee über der Erscheinunganzuerkennen, ist Sache nicht des Beweises, sondern desEntschlusses. Dies ist das grosse Entweder-Oder, das inder einen oder anderen Form jedem Menschen gestelltwird. Insofern ist die Wahl der Weltanschauung nichtSache des Wissens, sondern des Gewissens. Selbst-verständlicherweise verpflichtet die Bejahung des Wertesan sich nicht zur Bejahung irgendwelcher überkommenen,vielleicht höchst verwerflichen Wertvorstellungen. UnsereKlassiker lehnten überlieferte Religionsformen ab — „ausReligion“; sie wiesen engherzigen Schollenpatriotismus vonsich — für die Nation und die Menschheit. Ihre Ver-nunftreligion und ihr Weltbürgertum mochten konser-vativen Mächten revolutionär erscheinen — sie warenWertbejahung, durch eine Welt geschieden vom Atheismusund Internationalismus eines K. Marx .
Folgerichtigerweise ermangelt Marx einer wissenschaft-lichen Erkenntnistheorie und einer wissenschaftlichen Ethik;denn beide sind Wert Wissenschaften und liegen ausser-halb des Kreises der Anthropologie, in den Feuerbach
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