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Marx oder Kant? : Rede, gehalten bei der öffentlichen Feier der Übergabe des Prorektorats / von Gerhart von Schulze-Gävernitz
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Subjekt abhängt.Das Ding an sich ist nicht das Dingfür mich.

Die Naturwissenschaft, weit entfernt, die materialistischeWeltanschauung zu stützen, ist ohne erkenntnistheoretischeBegründung im Sinne Kants allen Einwänden Humes aus-gesetzt, zu dessen Widerlegung sich weder bei Marx nochbei Häckel auch nur eine Zeile findet. Ohne diese Be-gründung mündet sie unrettbar im Skeptizismus: Glaubens-meinungen und wissenschaftliche Überzeugungen sindAnpassungserscheinungen; was sichWahrheit nennt,ist eine Waffe im Kampf um das Dasein, vielleicht zumSieg. Aber auch der Sieger findet seinen Stärkeren. DieWahrheit von heute ist also der Irrtum von morgen. DasWeltbild des Menschen ist verwickelter als das des Sauriers;ist es wahrer? Wie, wenn der Tuberkelbazillus den Menschenauffrisst? Auf einem winzigen Stäubchen des Weltalls istin einem flüchtigen Augenblick einem Nichts gegen dieungezählten Millionen von Jahren, die allein schon dasSonnensystem durchkreist hat in einigen menschlichenGehirnen ein Gedanke gefasst worden ein Gedankehöchst vergänglicher Art. Sein Träger, der Mensch, wirdaussterben, spätestens, wenn das Stäubchen Erde etwasweiter abkühlt. Dieser Gedanke welchen Inhalts erimmer sei beansprucht Gültigkeit für die Ewigkeitenund Unermesslichkeiten des Weltalls?

b) Marx ermangelt jedoch nicht nur der Erkenntnis-theorie, sondern ebenso auch der wissenschaftlichen Ethik.Im Gegensatz zu Proudhon und Rodbertus will er alsNaturforscher lediglich kausale Notwendigkeiten feststellen 35 .Er hütet sich ängstlich vor Moralinvergiftung und spottetder bourgeoisen Idee der ewigen Gerechtigkeit 86 .

Ist in der Tat alles Natur, auch der Mensch nichts alsNatur, so ist alles gleich wertvoll und gleich wertlos. Mankann dann alles Historische rechtfertigen; denn es istnaturnotwendig entstanden. Aber wir wissen: Vieles

Historische ist wertlos, ja, schlimmer als wertlos. Auch der

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