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Zunächst erschienen Feudalität und Bourgeosie alsdiejenigen wirtschaftlichen Klassen, deren Kampf den Inhaltder Geschichte ausmacht. Aber seit den dreissiger Jahrentrennte sich von der Bourgeosie das Proletariat, das nebengroßstädtischem Bodensatz und entlassenen Soldaten daserste hoffnungslose Geschlecht einer grossindustriellenArbeiterschaft umfasste. Diese Kreise erzwangen die Auf-merksamkeit der Zeitgenossen durch die BabouvistischenAufstände von 1835 und 1838. Stein, Thierry und Guizot haben bereits den Klassenkampf zwischen Bourgeoisie undProletariat als solchen erkannt und mit früheren Kämpfenzwischen Feudalität und Bourgeosie in Vergleich gestellt 48 .
In diese Gedankenmassen trug Marx den MonismusHegels und steigerte sie damit zu einer einheitlich ge-schlossenen Theorie der Gesellschaft. Es liegt auf der Hand,wie sehr dem Wertnihilismus eines Marx diese Theoriewillkommen sein musste, nach welcher die „Idee“ — ins-besondere die ethische und politische Idee — sich stets„blamiert“ hat. Damit war die Geburtsstätte der Geschichteaus der dunstigen Wolkenbildung am Himmel endgültig indie grobmaterielle Produktion auf der Erde verlegt 49 . Be-kanntlich ist nach Marx der technisch-ökonomischeFaktor die Triebkraft aller politischen und geistigen Ge-schichte 50 . Entscheidend für die Geschichte überhaupt istdie Geschichte des Arbeitsprozesses, hiefür wieder dieArbeitsmittel, welche sich zwischen Arbeiter und Arbeits-gegenstand einschieben und die Art und Weise der Arbeitbestimmen. Nicht was gearbeitet wird, sondern wie undmit welchen Arbeitsmitteln gearbeitet wird, unterscheidetdie geschichtlichen Epochen 61 . Die Produktionsform be-wirkt die Scheidung der Gesellschaft in ökonomischeKlassen. Alle Geschichte ist Klassenkampf 52 .
Die wichtigste Spezialanwendung der materialistischenGeschichtsauffassung betrifft den modernen Kapitalismus.Produktionsmittel und Produkte sind mit der Grossindustrievergesellschaftet worden, aber sie werden dem Privat-