IO
dient und dafs Kaufleute in der Capstadt, Natal etc. ihm ver-sichert haben, dafs sie mit deutschen Waaren dort keineGeschäfte machen können, «da die englische Concurrenz alle ihreFabrikate besser, solider, praktischer und dauerhafter liefere, dazuauch in eleganterer und dem Geschmacke der dortigen Bevölke-rung mehr zusagender Form.» Wenn der Weberlohn in demangeführten sächsischen Distrikt wirklich nicht höher sein sollte,so besitzt dieses Geschäft keine Lebensfähigkeit und verdientkeine Unterstützung; denn wenn sich Löhne dauernd niedriger alsder nothwendige Unterhalt der Arbeiter stellen, so ist die be-treffende Industrie schädlich und unhaltbar und eine Bevölkerung,die sie dennoch fortsetzt, mufs degeneriren. Jedes Mittel sie vonsolcher Beschäftigung abzubringen, ist wohlthätiger als eines die-selbe künstlich zu erhalten. Wie will man aber selbst voraus-gesetzt, dafs sich ein Colonialabzugsgebiet eröffnete, eine solcheIndustrie lebensfähiger machen? Durch Schutzzölle im Pro-ductionslande? Diese vertheuern das Arbeits-Material und schädi-gen die Weber beim Export. Durch Schutzzölle in der Colonie zu Gunsten des Mutterlandes? Diese würden der Colonie und ihrerProductionsfähigkeit schaden. Wenn ein Distrikt mit andern nurdurch Hungerlöhne concurriren kann, wie soll man ihn überhauptdurch künstliche Mittel heben ? Die Schutzzollstaaten schliefsen sichdoch nicht gegen uns allein ab, sondern gegen alle Länder derenProductionskraft sie fürchten; dies liefert den Beweis, dafs derschreiende Mifsstand in inneren Verhältnissen begründet ist, zumalals die Löhne andrer deutscher Industriebezirke derselben Natur sichnicht annähernd so schlecht stellen. Wenn ferner die oben ange-führten Mittheilungen afrikanischer Kaufleute ihre Begründung haben,so liegt die Ohnmacht der deutschen Industrie in ihr selbst und kannnur von innen heraus reformirt werden. Die Sache ist aber nichtso schlimm, wie Herr v. Weber sie darlegt. Ohne Zweifel wirdmanches deutsches Fabrikat über England in die Colonien ge-schickt. England ist der natürliche Vermittler der Ausfuhr nachüberseeischen Ländern, und wir werden im Laufe unserer Be-trachtungen die Gründe, weshalb dies stattfindet, und selbst w’ennes seinen Colonialbesitz einbüfste, dennoch stattfinden miifste,kennen lernen.
Durch die Statistik ist der Nachweis, dafs sich die deutscheAusfuhr im Laufe der letzten zwanzig Jahre bedeutend vermehrt