traten wir in dieser neuen Gestalt auf, und an der Spitze desBlattes paradirte der Leitartikel „Das deutsche Parlament",welcher die erste Nummer der „Slitterwochen" bildet.*) Cr ist auchals der erste in die hier folgende Auslese aufgenommen. Dem Auf-sehen, das er erregte, kam ganz besonders zu statten, dasz ihmsofort von der Residenz aus die Ehre einer lebhaften Abwehr zuTeil wurde. Dies verhielt sich so: der Verleger der Zeitung war einHerr Theodor von Zabern , verheirathet mit der Tochter desStaatsraths Jaup. Letzterer, welcher zu den alten Liberalenin Darmstadt gehörte, war soeben von dem neu ernannten libe-ralen Minister Heinrich von Gagern an dessen Seite gerufenworden. Als er den Leuerbrand gewahrte, den ich in die bisdahin so friedliche Zeitung seines Schwiegersohns geworfenhatte, stiegen ihm, um dessen willen, sowie wegen der sehr auf-geregten Stimmung, die damals Rheinhessen beherrschte, schwereBedenken auf. Er sandte also mit seiner Namensunterschrifteinen Gegenartikel ein, in dem er vor den republikanischenTendenzen und vor der Undankbarkeit gegen die deutschenLürsten warnte, die aus meinem Artikel sehr unverblümt her-ausschauten. Natürlich ließ ich es an einer Replik nicht fehlen,die zwar respektvoll, aber doch sehr entschieden gehalten, war.Diese beiden Stücke sind im folgenden nicht abgedruckt. Siemußten jedoch erwähnt werden, weil sie den Keim zu den Schwie-rigkeiten legten, in deren Solge ich anfangs Mai die Redaktionniederlegte, allerdings, um sie in einer späteren Periode wiederaufzunehmen. Der Kampf, den ich bis dahin in der MainzerZeitung gegen die Partei Gagern weiter führte, war in demMaße, als die politischen Gegensätze zwischen den deutschen März-ministern und der Demokratie sich verschärften, immer heftigergeworden, und meinem Verleger, einem vortrefflichen, aber etwas
') Das kleine Buch, dem die hier folgende Auslese entnommen ist, erschien alsdie Sammlung aller bis dabin von mir verfaßten Leitartikel bei Joh. Wirth inMainz unter dem Titel: Die Flitterwochen der Preßfreiheit. Ein PolitischesMosaikbild aus leitenden Artikeln von Ludwig Bamberger , ehemaligem Redakteurder „Mainzer Zeitung'. Die Vorrede ist vom ZU. Mai 1348 datirt. !2l6 Seiten.)