behäbigen Manne, bereitete der Federkrieg zwischen seiner Zeitungund dem Vater seiner Frau soviel Mißbehagen, daß ich, umseiner Noth ein Ende zu machen, ihm selbst vorschlug, mich zuentlassen. Auch in der Stadt Mainz waren die Gegensätze sehrschroff geworden, und ein Theil der oberen Fünfhundert, nament-lich Beamte und reichere Laufleute, fand sich bewogen, eingemäßigtes Grgan, die „Rheinische Zeitung " (nicht zu verwechselnmit der kölnischen gleichen Namens) zu gründen.
In der Zeit zwischen jenen Erstlingsversuchen im März biszu meinem Rücktritt im Mai schrieb ich beinahe einen Tag umden andern den Leitartikel abwechselnd mit dem älteren Re-dakteur Dr. Karl Mische, der später lange Jahre das Aus-wärtige in der „Kölnischen Zeitung " bearbeitet hat. Daneben be-sorgten wir zwei allein alles Uebrige der Redaktion.
Die im Folgenden ausgewählten Nummern geben ein Stim-mungsbild jener Epoche des Vorparlaments und der ersten Ta-gungen der deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche.Ich wohnte den Sitzungen derselben bei und berichtete darüberin meinem Vlatt. Dreifacher Art sind die Elemente, die da zu-sammenfließen und sich abspiegeln. Zum ersten: die allgemeinedemokratische Richtung; zum zweiten die besondere Art, die inden Rheinlanden vorherrschte, endlich das Zusammentreffen dieserbeiden Elemente mit der individuellen Geistesverfassung desSchreibers. Es war eine erste stürmische Eruption, die plötzlichgegen alle Erwartung entfesselt, alles in der Stille angesammelteMaterial ausströmen ließ. Da drängte sich so vieles und sovielerlei zusammen, daß das Produziren mit wohlthuenderLeichtigkeit von statten ging. Man brauchte nur den Zapfenauszustoßen, und es quoll lebendig sprudelnd heraus. Dabei dieerste Lust, sich gedruckt zu sehen mit dem blitzschnellen Effektauf die nächsten Mreise. Nach wenigen Tagen standen schon dieUngeduldigen sich drängend auf der Straße vor dem Vureauder Zeitung, lange ehe sie ausgegeben ward. Das mußte demnatürlichen Feuer noch mehr Nahrung zutragen.