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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
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Die politische Tendenz galt auch damals schon vor Alleinder deutschen Einheit, allerdings nicht mit der preußischen Spitze,denn das preußische war uns besonders antipathisch, und dieDemokratie war großdeutsch. Die Einheit konnte ich mir nichtanders vorstellen, als mit Beseitigung der Surften. Der Bundes-tag, die Landesherren hatten Alles in sich personifizirt, was alsZerstückelung und Unterdrückung der deutschen Nation sich mitkaß beladen hatte. Daher erschien die Einheit kaum anders,als in republikanischer Lorm denkbar, wozu noch die im Cultusder französischen Revolution herangewachsene politische Zinnes-weise das ihrige beitrug. Das tiefe Mißtrauen in die Auf-richtigkeit der im Handumdrehen zugestandenenBewilligungen"erklärt sich daraus von selbst und ward durch den späteren Ver-lauf nur zu sehr gerechtfertigt, wie sich dieses finstere Miß-trauen gegen die regierenden Geschlechter und ihre Anhängermit dem hell auflodernden Seuer der Begeisterung für die großeZeitbewegung mischt das ist es, was meines Erachtens, diesenersten politischen und publizistischen versuchen ihr vorherrschendesGepräge giebt. Der flachklang philosophischer und ökonomischerStudien, zwar etwas doktrinär, aber durch die Srische derTugend vor Trockenheit bewahrt, fügt dem Colorit eine eigen-artige Schattirung bei, die, wenn ich mich nicht täusche, sichauch später nicht verloren hat. Die ökonomische Anschauungs-weise, zwar vorzugsweise genährt aus den Werken der klassischen,individualistischen Schule, zeigt die Spuren der Einwirkung vonFriedrich List und der sozialistischen Litteratur, kabe ich dochetwas später proudhon's Lsn^us Zu ?eup1s ins Deutsche über-tragen und mit einer Vorrede herausgegeben. Alles in Allemwird die nachstehende Probe jugendlichen Beginnens wohl be-stätigen, daß der Mensch im Kaufe der Jahre sich zwar ändert,aber doch in vielem derselbe bleibt.

Juli 1894. V.