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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
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zu früh Lachen taugt nichts, aber zu früh Weinen auch nicht.Morgen den ersten Bericht.

Frankfurt , 30. März, spät am Abend. Ich bin jetztim Stande, Ihnen bestimmtere Auskunft über den Stand derDinge zu geben, als heute Mittag. Es sieht viel ernsteraus, als damals. Im Saale des Weidenbusches und desWolfsecks sind große Versammlungen abgehalten worden.Das Merkwürdigste von allem, was darin zu Tage kam,war, daß Projekte für die morgen beginnende Versammlungdem Bundestag zur Genehmigung vorgelegt worden sind!Daß diese Idee von den beiden Gagern ausgegangen, wieman mir sagt, bezweifle ich sehr. Von den vielfachen Mei-nungen, die auftreten, hat die, daß die Versammlung, alsmit keinem genügenden Mandat versehen, nichts thun könne,als allgemeine Volkswahlen für eine konstituierende Natio-nalrepräsentation zu verlangen, die meiste Aussicht. Eineandere Schattirung ist die, daß der Augenblick zu drängendsei, um so formell gewissenhaft zu verfahren. Es müsse alsodas Notwendigste angeordnet werden und die Versammlungselbst oder ein Ausschuß sich permanent erklären, bis dieVolkswahlen zum Ziele gediehen seien. Für diese Ansichtsprachen Raveaux aus Kölu und Rob. Blum aus Leipzig imWolfseck mit vielem Geiste uud großem Erfolg. Gegen dieRepublik scheint eine große Majorität zu sein. Zwar er-klärten fast alle Redner, daß die Republik der vollkommensteFreiheitszustand sei; Viele sogar bekannten sich laut als Re-publikaner darunter namentlich die beiden erwähntenaber fast Alle sagten, daß die Republik zu proklamieren nichtangehe, weil der Nordosten von Deutschland nicht reif undnicht gesinnt dazu sei; daher ein Bürgerkrieg die Folge derRepublik sein müsse. Fast alle Redner aus dem Nordensagen aus, mau habe bei ihnen daheim nur sehr wenigeSympathien für die Republik . Blum sagte unter anderemin seiner Rede:Die Versammlung müsse einen Riegel den

Ludwig Bamberger's Ges. Schriften. III. 2