— 16 —
die Republikaner bereits hart aneinander gerieten mit denKonstitutionellen. Im fremden Publikum fiehts übrigensrepublikanischer aus, als ich glaubte. Wenigstens sprechendie Republikaner laut, während die Anderen schweigen. Inden Frankfurter Herzen sitzt viel Furcht. „Sind Sie auchfür die Republik ?" fragen sie mit bangen Gesichtern jedenAnkömmling, und es wird einem ordentlich wichtig zu Mut,mit so gespannter und ängstlicher Miene um seine Meinungkonsultiert zu werden. Hinter den lustigen Fahnen pochenenge Herzen. „Kurse?" fragte am Tisch ein stattlicher Herrmit einem großen Schnurrbart, der mehr wie ein Eisen- alswie ein Goldfresser aussah. „Kurse?" — „Keine!" war dieAntwort. Daß von allen Seiten kurzweilige Bemerkungenfallen, läßt sich denken: „Was soll man aber mit den Fürstenmachen, wenn man sie absetzt?" fragte Einer. — „Ja, dasitzt der Knoten!" erwiderte ernst der Andre. „Historisch"und „Organisch" sind Trumpf; „wasch mir den Pelz undmach ihn nicht naß" ist der kurze Sinn aller schönen Redenund „die verfluchte französische Revolution!" der stille Ge-danke vieler guter Seelen. Die Leute vom gesetzlichen Fort-schritt wären der Meinung, man solle mit den Franzoseneinen Vertrag schließen unter dem Vorbehalt, daß sie inzwanzig Jahren wieder eine Revolution machen, wo wirdann auf dem Wege des gesetzlichen Fortschritts weit genuggediehen wären, den letzten bequemen Sprung zu machen.Herr, erleuchte sie! Die Paulskirche ist ein herrliches Lokal.Ein Rondel, mit hellgelbem (Chamois-farbigem) Stuck be-kleidet, mit dreifarbigen Draperien behängt, und Raum für2500 Zuhörer. Amphitheatralisch geordnete Kirchenbänkefüllen die Mitte für die Deputirten aus; dahinter und aufder Galerie ist das Publikum. Vor jenen Bänken steht die' Rednerbühne und dahinter noch höher der Präsidentensitz,alles in den drei Farben prangend. Symbole genug! Nun,