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Die Nationalökonomie.
Ein Beitrag zur Reform desöffentlichen Unterrichts.
Den 9. April 1848.
Die Volkswirtschaftskunde ist ihrem Gegenstande nachder populärste, der Zahl ihrer Schüler und Verbreiter nachder unpopulärste Wissenszweig auf der Welt. Der Fehlerliegt weniger an der Auffassungsweise ihrer Bearbeiter alsan der Natur der Massen. Man hat den Nationalökonomenübertriebene Grübeleien, fruchtlose Distiuktionen schon oftvorgeworfen, wie man es den Logikern noch hundertmalschlimmer angethan hat. Diese Unglücksverwandtschaft istbegreiflich: denn die Nationalökonomie des alten Stils istund sollte sein nichts anderes, als die Logik des gesellschaft-lichen Verkehrs, d. h. die Zerlegung der Thatsachen, ausdenen dieser Verkehr sich zusammensetzt, in ihre einzelnen,unterscheidbaren Bestandteile und die Rückführung jeder Wir-kung auf ihre wahre, mehr oder weniger dem Auge des PlumpenPraktikers verborgene Ursache. Sie sollte geben im Wesent-lichen die Fähigkeit, die Begriffe, mit denen man rechnenmuß, zu kennen, nicht aber die Fähigkeit, bestimmte Resul-tate zu erzielen. Ebenso wie die Logik weder die Erziehungs-kunst noch Chemie lehrt, zur Erwerbung dieser Kenntnisseaber unentbehrlich ist, ebenso wenig lehrt die alte National-ökonomie einen glücklichen Staat herstellen, ist aber die not-wendige Voraussetzung zur Ergreifung dieser Aufgabe.Dieses Verhältnis, daß die Volkswirtschaftskunde nur eineAnalyfis, aber keine Synthesis, nur eine Erkenntnis des Vor-handenen aber zunächst keine Herrschaft über dasselbe sei,war den großen Theoretikern sehr wohl bekannt, und ist na-mentlich von dem mehr klaren als scharfen Jean Baptiste
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