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Say geradezu ausgesprochen worden. Diese Wahrheit ver-ringert den Wert der Wissenschaft nur in den Augen derer,die sich aus Unkenntnis eine falsche, wie es gewöhnlich geht,übertriebene Vorstellung von den Resultaten derselben ge-bildet hatten; sie macht diese Resultate um kein Haar ent-behrlicher. Unterscheiden ist Verstehen, verstehen aber mußman überall seinen Gegenstand, wo man ihn mit Erfolg be-handeln soll. Wer in seinen Bestrebungen zur Verständigungund zum gemeinschaftlichen Handeln mit der Masse ange-wiesen ist, den hindert, beugt, verzehrt nichts so sehr, alsderen Unbekanntschaft mit jeder Art von Logik, sei's der all-gemeinen, sei's der besonderen im gesellschaftlichen Verkehr.Es ist eine aller Denker würdige Aufgabe, sich zu besinnen,ob nicht eine einfache, natürlich von scholastischem Wust ge-reinigte Logik in die notwendigsten Lehrgegenstände unsererVolksbildungsanstalten aufgenommen werden müsse, und esist außer allem Zweifel, daß Belehrung über die Begriffe,welche im bürgerlichen Verkehre agiren. auf Jung und Altausgedehnt werden muß, wenn wir Verbesserungen in derOrganisation der Gesellschaft herbeiführen und zeitweiseplumpe Rückschritte verhüten wollen. Wende man seine Vor-würfe nicht gegen den Theoretiker, welcher, um einen ver-worrenen Knaul von Thatsachen auseinander zu lösen, seineDenkkraft schärfen und anstrengen mußte, wende man siegegen den faulen, aufgeblasenen Praktiker, welcher beständigden „gesunden Menschenverstand" im Munde führt, d. h. dieselbstgenügsame Verachtung jeder gewissenhaften Prüfung,jeder allgemeinen, von besonderen Standes- und Gewohn-Heits-Vorurteilen freien Auffassung, d. h. den Wahn, daßrichtiges, zuverlässiges Denken — die schwierigste Sache vonder Welt! — weniger besondere Übung und Benützungfrüherer Erfahrungen erheische, als die Fertigung einesStiefels. Heute, wo die grausameu Mißdeutungen der Frei-heit euch fast zur Verzweiflung an euch selber, weil an eurem