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Volke, bringen, heute werdet ihr doch fühlen, daß alle eureVorstellungen scheitern gerade an jenem „gesunden Menschen-verstand", mit dessen Lobpreisung ihr so lange dem Volkegeschmeichelt, mit dem ihr es in dem eigensinnigsten Glaubenan die Unfehlbarkeit des ersten besten, vom beschränktesten,kurzsichtigsten Privatvorteil geleiteten Urteils, gesteist habt;daß eure Vorstellungen scheitern an der Geringschätzung, wo-mit jeder Unterricht im höheren Denken gegen die Bei-bringung der praktischen Handgriffe zurückgesetzt worden ist.Nicht der Fleiß der Denker, die Faulheit der Pfuscher istes, welche verhindert hat, daß eine so notwendige Kunde,wie die Volkswirtschaftslehre, bis jetzt eine Fremde unteruns war. Nicht einmal Mangel an populärer Schreibartkann man den Theoretikern vorwerfen. Der Begründer derneuesten Schule alten Stils. Adam Smith und sein Evan-gelist I. B. Sah. haben so einfach, so lebendig und hand-greiflich geschrieben, daß gerade diese ihre Schreibart zu denHauptvorzügen ihrer Leistungen gehört, und der Letztere hatden Inhalt seiner größeren Werke eigens zum Zwecke derVolksbelehruug in einen „Katechismus der Volkswirtschafts-lehre" zusammengefaßt, der wahrlich dem menschlichenVerstände näher steht und zugänglicher ist, als der Kate-chismus von Mysterien und Wundern, welcher dem Kindefast von seiner Geburt an bis zu seinem Austritt aus derSchule eingetrichtert wird.
Es ist wahr, daß die Staatswirtschaftslehre, wie sie bis-her studiert worden, keine Staatswohlfahrtslehre, aber es istnicht minder wahr, daß sie der erste Teil der letzteren ist.Heute fallen die Praktiker des gedankenlosen Schlendrians,wie die Idealisten der noch unpraktischen Theorieen. vonzwei Seiten über die guten Nationalökonomen her und werfenihnen Unfruchtbarkeit für weltliche Zwecke vor. Es geht,wie gewöhnlich: jene haben nichts von ihnen lernen wollen,und diese vergessen, daß sie viel von ihnen gelernt haben.