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Die Bewegung des gesellschaftlichen Verkehrs bietet eine Füllevon Phänomenen dar, die stündlich auf die plumpste Weiseverkannt werden, deren plumpe Verkennung die abenteuer-lichsten Forderungen und die abenteuerlichsten Maßregelnhervorgerufen hat. Die Nationalökonomie, indem sie dieNatur dieser Phänomene zu ergründen sucht, will diese Miß-griffe verhindern. Wie weit ihr dies bis jetzt gelungen, isteine untergeordnete Frage; genug, daß die Bemühung da ist.Wer so diese Wissenschaft auffaßt, der wird ihr große Lei-stungen nicht absprechen können. Ob sie praktische Problemebis jetzt gelöst hat, ob sie solche überhaupt lösen kann, ist eineandere Frage. Es ist ein Anderes, die Erkenntnismethodefür tatsächliche Verwicklungen an die Hand zu geben, einAnderes, die Entscheidung der letzteren im Voraus zu be-rechnen. Der Fehler der Nationalökonomen lag vielleichtdarin, daß sie sich mit zuviel Sicherheitsgefühl auf dasletztere Feld begeben haben. Es ist fast unmöglich, den Ur-sachen und Wirkungen lebendiger Konstellationen ihre Bahntheoretisch auszurechnen. Die kleinste Abweichung in derStellung der Thatsachen kann das ganze Gebäude umstoßen.Darum sind die Probleme über den Schutz der Industrie,über die Art der Besteuerung, über die Wahl der Zirku-lationsmittel (des Geldes) noch immer offene Fragen, dienie auf dem Boden der Theorie allein ihre entschiedeneLösung finden werden. Aber, wer je um diese Theorie sichbemüht hat, der wird auch zugeben, daß es ihm nach denersten Studien wie Schuppen von den Augen gefallen, daßer plötzlich gewahr geworden ist, wie roh und verworren dieKombinationen des bürgerlichen Geschäftsganges vor seinenBlicken gelegen hatten. Nicht die Kunst, die Welt der ge-sellschaftlichen Thätigkeit zu lenken, aber das Organ, dasSinneswerkzeug, ihre Elemente zu unterscheiden, wird durchdie Nationalökonomie gegeben. Es ist klar, daß diese Lehredie Voraussetzung zur Beherrschung und Leitung der öffent-