Die VertrauenspsUtik.
Den 12. April 1848.
Der deutsche Bund ist so sehr ein Bild des Jammersgeworden, daß ein ordentlicher Mensch es nicht übers Herzbringen kann, auf ein so kläglich verendetes Wesen loszu-schlagen. Diesen Bund, an den sich alle traurigen Erinne-rungen der letzten dreiunddreißig Jahre knüpfen, diesen Bundaufrecht zu halten, ist man noch immer bemüht. Zu den wirk-samsten Stichwörtern, mit welchen bis jetzt die Regierungen inDeutschland die mattherzigen Kammern gängelten, gehörtedas „Vertrauen". Vertrauen war in aller Minister Mund,Vertrauen zwischen Fürst und Volk wnrde bei allen Schlechtig-keiten verlangt, und das unentbehrliche Vertrauen mußteerhalten werden mit Verzicht auf alle anderen Rechte; Ver-trauen zum Fürsten um jeden Preis. Vertrauen in Han-nover. Vertrauen in Kassel, Vertrauen in Berlin ; und wennman in Oldenburg oder Hessen-Homburg eine Verfassungverlangte, so beschämten der Großherzog und der Landgrafihre Unterthanen mit Vorwürfen über mangelndes Ver-trauen. Während in dem Bundestag die Politik der ge-meinsamen Verräterei an dem Volke und des gegenseitigenNeides und Mißtrauens der Fürsten saß, wurde die Nationdurch die Politik der schönen Redensarten nnd der Rührung