mißbraucht. Als der deutsche Bund, infolge der Anstrengung,die ihn das Preßgesetz vom 3. März gekostet hatte, in Ohn-macht fiel, griff er, sich zu stärken, nach der bewährten Ver-trauensessenz und siehe da — es half! Er verlangte, daßman seinen Namen durch die Namen ehrlicher und frei-sinniger Männer rette, und die Regierungen schickten „Männerdes Vertrauens" an den Bund. Die Regierungen wußtenwohl, was sie thaten. Sie wußten, daß in Deutschland das politische Leben noch von der Vorstellungsweise despatriarchalischen Lebens beherrscht ist. daß die Pietät, derRespekt, die Dankbarkeit, die Bescheidenheit, überhaupt diesozialen und die familiären Tugenden in die Politik über-tragen und immer die Rechte der Sache den Rechten derPerson geopfert werden. Sie wußten also, daß ein Schreides Unwillens sich erheben würde, wenn nur ein Zweifelverlauten wollte gegen Leute, wie Jordan, Uhland, Welcker,Bassermann u. A, die stets als redliche und freisinnigeMänner sich bewährt und zum Teil dafür harte Verfol-gungen erlitten hatten. Wenn sie sich in dieser Voraussichtnicht getäuscht haben, so ist es Pflicht der Presse, ihneneinen Strich durch die Rechnung zu machen. Glauben die,welche sich des freien Wortes bemächtigen, nicht, daß siejetzt auf Rosen gebettet seien, seitdem sie die Zensur lossind, glauben sie nicht, daß sie nur der öffentlichen Meinungzu schmeicheln hätten! Nein, mit dem redlichen Wirken fürdas Allgemeine ist immer Märtyrerschaft verbunden, undder Mnt, welcher ehedem gegen die Gewalt von Oben ge-braucht wurde, ist jetzt noch zehnmal nötiger gegen dasVorurteil von Unten. Und wenn noch so sehr über Jmpietätund Ruchlosigkeit geschrieen wird, so darf sich die Presse nichtirre machen lassen, jene gefährliche Gutmütigkeit des blindenVertrauens und der persönlichen Rücksichten zu bekämpfen.Rühmliche Vergangenheit, guter Charakter, das Alles sollseine Anerkennung finden; aber Taten der Gegenwart,
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