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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
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Taten in Sachen des allgemeinen Interesses dürfen nurnach sich selbst und nach weiter nichts beurteilt werden.Die bisherige Wirksamkeit derVertrauensmänner" ent-spricht den Forderungen des deutschen Volkes nicht, und dasist erklärlich. Diese Männer waren bis jetzt in den ein-zelnen Staaten in der Opposition gegen die Regierung; siehatten das bestimmte Ziel, gewisse, durch die bisherigen Ver-fassungen erreichbaren Rechte durchzusetzen; sie haben an derErreichung dieses Zieles Jahrzehnte mit großen Anstrengungen,mit großen Opfern gearbeitet; sie wurden von den Re-gierungen als Feinde betrachtet. Es ist sehr natürlich, daßsie in diesem Augenblick, wo ihre Meinung bereits voll-ständig gesiegt hat, wo sie selber von ihren bisherigen Feindenzu Hilfe gerufen werden, nach so langem, mühevollem Strebensich befriedigt suhlen. Volle Befriedigung mit dem, wasschon erreicht ist, das ist der einfache Ausdruck für die Art.wie die Vertrauensmänner und ihre Gleichgesinnten seitdem,und namentlich bei der Fraukfurter Versammlung, ausgetretensind; Unwille, ärgerlicher Unwille gegen alle die, welcheweiter gehen wollen als sie, und völlige Unbekanntschaft mitdem Unterschied zwischen den Forderungen, die das Volkehemals und die es jetzt gestellt hat. Darnm erscheinen sieimmer mit solcher unerschütterlichen Zuversicht, darum nennensie sich selber mit komischer Selbstgenügsamkeit einmal überdas andereMänner des Vertrauens" und nehmen nun fürsich jene Resignation des Volkes auf seine eigene Kontrolleund jene politische Delikatesse in Anspruch, mit der sie selberso lange bekämpft wurden. Heute sind die bisherigen Ver-Handlungen dieser siebenzehn Männer veröffentlicht worden, diesich bereit zeigen, den Bund der Fürsten zu stärken, die des Ver-langens nach einem freien deutschen Reiche, das sie so langebesungen und besprochen haben, nicht mehr zu gedenkenscheinen, denen nicht einfällt, an dem abgeschmackten Flick-werk des Wiener Kongresses etwas zu ändern, die vielmehr

Ludwig Bambsrger's Ges. Schriften. IH. 3