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Vaterlandes trägt mit einfachen Worten, vor denen die hoch-gestochenen Reden eurer Hofpoeten und Staatsdeklamatorenerblassen müssen. Nicht die Paragraphen der heuchlerischenCharte, nicht das Dnchatel'sche Bestechungssystem haben diesesVolk erzogen, sondern die wenigen Tage wiedererlangterMenschenwürde und erhebender Selbstherrschast. Und wennder Keim dazu schon da lag, so war er zurückgeblieben vonder Saat der neunziger Jahre und dem kurzen Sommer desdreißiger Juli. Eure Schullehrerweisheit, ihr gründlichenProfessoren, wird kein freies Volk erziehen. Seht hin aufdie kurze Zeit eures jungen Regiments, denn es ist wahr,daß seit mehreren Wochen eure doktrinäre Gewalt, eure ge-lahrte Staatsmethode am Ruder sitzt. Was habt ihr voll-bracht? Ein Land, das in erhabenem Unwillen ausgestandenwar, ist ein zerfahrener trostloser Wirrwarr geworden, indem ihr freilich darum desto leichter euer Spiel treibt.Schlimm, wenn ihrs nicht wolltet, schlimmer noch, wenn eseuch recht ist! Nicht begreifen können wir, wie gerade indiesen Zeiten viele edel, wahrhaft frei denkende Menschenes für Pflicht halten können, ihre entschiedenen Gesinnungenin sich zurückzudrängen. Auch wir machen uus keine über-triebenen Hoffnungen von der nächsten Zukunft, ja wir sindvielleicht gefaßt, aber nicht eingeschüchtert, in der Erwartungeines grausamen Rückschrittes. Doch, weit entfernt, darineine Aufforderung zum Schweigen zu sehen, fühlen wir unsnur gestachelt, um so lauter zu reden. Nur die Freiheit er-zieht freie Menschen, das ist unser Bekenntnis. Und ebenweil die Freiheit der That entweicht, muß die Freiheit derGesinnung um so mehr gebraucht werden. Ihr. die ihr imheimlichsten Winkel eures Hauses die Republik heranbetenwollet, euch begreifen wir nicht. Der schüchterne, der furcht-same Glaube gewinnt keine Anhänger: aus offenem Marktemüßt ihr zusammenläuteu, wenn ihr Proselytem machenwollet. Wir überlassen es Anderen, die Wahrheit mit dem