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Arzneilöffel auszuteilen, wir kennen keine halben Wahrheiten,wir kennen nicht die schöne, vielbeliebte Erziehungstheorie,welche lehrt, daß man den kindlichen Gemütern erst Lügenbeibringen müsse, um dieselben später wieder auszurotten,wenn sie die Wahrheit vertragen können. Gefährliches Ex-periment, gefährliches Spiel mit dem Höchsten, Heiligsten!Wir wiederholen das oft Gesagte: Unser Vertrauen hat Nie-mand, als die Wahrheit. Begreifen können wir nicht, wieein überzeugter Mensch seinen starken Glauben beschneidenkann, um ihn verstümmelt herzugeben; uns treibt die Natur,gauz zu sagen, was wir denken. Akkomodation! Das Wortkennen wir nicht. Vielleicht fallen auch wir ihm zu, wennwir erst alt und mürbe geworden sind, und wir bitten imVoraus unsere Nachkommen, alsdann derb auf uns loszu-schlagen, wie wir es heute auf Andre thun.
Wir lassen den Professor, wir lassen den konstitutions-seligen Fanatiker in Ehren gelten, sie sind Diener ihrer eige-nen Überzeugung; du aber teurer Freund, der Du unszwischen vier Wänden gestehst, daß du ein heißer Republi-kaner seist, daß aber die Zeit nicht da sei, es zu sagen —verzeih es Freund! du bringst uns zum Lachen!
Wir haben wahrlich nicht unsre Freude daran, schwachenSeelen ein Ärgernis zu geben. Es ist nicht süß, verketzertzu werden. Gerne würden wir den Trotz unserer Meinungbändigen, wenn wir ihn nicht den Starken wie den Schwachenschuldig wären. Sterbende schickt man in die milden, um-schlossenen Thäler, heranwachsende Jugend in die freie Berg-luft. Diese lernet ertragen, ihr glaubtet denn, an einer aus-zehrenden und nicht an einer Entwicklungskrankheit zu leiden.Die Doktoren mögen Mixturen verschreiben, w ir verschreibenrauhen Wind. Sturm zu blasen ist unser Geschäft, Sturmblasen wir heute zu nächsten Wahlen.
Unsere Staaten waren bis heute nichts als große Kinder-stuben. Landesväter, Landesmütter und Landeskinder führten