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zusammen eine stille Wirtschaft, und die sauberen Landes-vettern machen uns noch heute große Sorgen. Das war eingemütliches Treiben von häuslichen Tugenden und häuslichenLastern; brummige oder lockere Landesväter waren einSchrecken oder ein Skandal; teutschen Ludwigs Landessöhnehielten es mit der Mutter, die Landestöchter mit dem Vaterund die Landesbedienten mit beiden zugleich; Bescheidenheitund Verschämtheit war die Zierde der Buben und Mädchen;wenn sie Fleisch wollten, forderten sie Salz und bekamen —Prügel; wenn Einer brav war, so durste er es nicht wissen,bis er vom Präzeptor mit einer Prämie überrascht wurde.Das Erziehungssystem war das aus der guten alten Schule,jedes Selbstgefühl zu unterdrücken und die Gefahren desLebens dem Bevormundeten zu verschweigen. So haben wirjetzt ein blödes, empfindliches, schüchternes Bürgertum, dasder freien, politischen Bewegung und namentlich der freienPresse einen schweren Stand bereitet; das sich seiner bestenGefühle und Bestrebungen schämt und bei der geringsten An-klage jämmerlich heult. Lasse man doch endlich im öffent-lichen Leben diese Prüderie fahren, dieses Verschämtthun mitseinem Verlangen, welches in die Pensionen gehört! DieseAufforderung geht an die Einzelnen, wie an die Massen,namentlich für das Geschäft der herannahenden Wahlen.Wer sich fähig und gedrungen fühlt, vom Volke zum Ver-treter ernannt zu werden, der warte nicht bis ein zuvorkom-mender Freund ihn wieder seinen Freunden zum Weitergebenin die Ohren flüstert, der trete frei heraus und sage; „Ichbin euer Mann, mich müsset ihr wählen! das kann ich euchleisten, das sind meine Beweise, das versprech' ich euch zuverfechten!" Warum sich schämen seines guten Eifers, oderselbst seiner Ambition? Es ist kein Geheimnis: wir sind Allemehr oder weniger eitel, und Jedem wird, Jedem soll esschmeicheln, vom Volke mit Vertrauen beehrt zu werden.Also weg mit falscher Uneigennützig keit, weg mit erlogener