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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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Bescheidenheit! weg auch mit unzeitigem Ärgernis über An-maßung und Eigenlob! Für die Parteien gilt dasselbe. Wasihr wollet, das lasset auf den Straßen ausrufen! Konspirirtund koalifirt unter freiem Himmel, werbet so viel ihr könnt!Errötet weder vor Lob noch vor Tadel!

Und weil wir an diesem Kapitel einmal halten, schließ-lich ein Wort für die Presse. Kaum ist sie frei, kaum be-dient sie sich ihres Rechtes, einmal selber zu zensieren, stattzensiert zu werden, da erhebt sich ein allgemeines Wimmernund Schelten. Jeden Augenblick kommt Einer, der sich per-sönlich verletzt fühlt. In das Privatleben dringt nnserAuge nicht; wer sich aber in die Öffentlichkeit begiebt, derhört auf, eine Person zu sein, der wird eine Sache. NichtPersonen greifen wir an, sondern Sachen und Zustände!Nicht die Personen mögen sich verteidigen, sondern die Sachen.Wie albern, auf Anklagen der Presse mit Injurienklagen zuantworten! Wahrhaftig, liebe empfindliche Leute, eure Er-ziehung ist schwer genug, ihr müsset sie uns nicht durchProzeßkosten vertheuern. Die Presse klagt vor dem Publi-kum. Wer sich gegen sie vor den Gerichten verteidigt, sichhinter die Schliche und Formen des Rechtes zurückzieht,statt die Jury seiner Mitbürger anzurufen, der merkeman es! der giebt seine Sache verloren!