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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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wir können uns nicht denken, wie ein Freiheitsgläubiger den seiner Ansicht nach freiheitsfeindlichen Systemen sachteund schonend entgegentreten kann. Wer uns verübelt, daßwir pochen und stürmen, der hat keinen politischen, wie derTolerante " keinen religiösen Glauben, der ist ein Gleich-gültiger, und nur der Gleichgültige, dem der häusliche undstädtische Friede des Essens und Spazierengehens über Allesgeht, kann sich über uns skandalisiren. Wir gestehen es: wirsind politische Fanatiker! und ehren auch den konsequentenreligiösen Fanatiker mehr, als den wässerigentoleranten"Halbaufgeklärten. Der Mittelstand, dieBourgoisie", welchebis jetzt die Hauptrolle in der Gesellschaft spielte, war dieserStand der Mitte, der unbewegliche Jndifferenzpunkt in allenDingen. Nun, da auf einmal die kritische Entschiedenheitlosbricht, schließt sich das Volk dieser an. Natürlich auch!Der Gegenstand ihrer Betrachtung war das Volk, und dasVolk ist entschieden, heißblütig, fanatisch, wie sie. So werdendie Leute aus dem Reiche unserer chinesischen Mitte von vorngezogen und von hinten gestoßen mit grellen Ideen und hef-tigen Methoden, von denen sie bisher keine Ahnung hatten.Und darum klagt man Unser Einen an als Unbesonnenenund Volksverführer. Wem ist es recht, geschmäht undverketzert zu werden? oder Andern ein Ärgernis zu sein?Könnte man es über sich gewinnen, die Ursachen und dieUnvermeidlichkeit der Parteiverhältnisse zu begreifen, sowürde auf beiden Seiten nichts vom Ernst des Kampfeseingebüßt, aber viel Herzeleid erspart werden. Vielleichtist diese Rechtfertiguug verlorene Mühe. Was kann manaber mehr thun als sich erklären? Wenn auch nur Einerbekehrt würde zur Vorurteilslosigkeit, würden wir die Mühefür nicht verloren ansehen. Hundert Jahre Abstand warenzwischen der Gesinnung der Bourgoisie auf der einen undzwischen dem Bedürfnisse des Volks und der Erkenntnis derKritik auf der anderen Seite. Die hundert Jahre donnern