Druckschrift 
3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
79
Einzelbild herunterladen
 

79

dem Generalstab, der Artillerie und dem Train gen Alzeiauf, wo sich noch eine große, dort gesammelte Abtheilungmit uns vereinigen sollte. In Alzei große Begeisterung,die sich anstrengte, über das ungehobelte Aussehen unseresZuges die Augen zuzudrücken. Es wurde Mittag gemachtund Alles auf's Gastfreundlichste bewirthet. Ich hörteeinen Mann in folgenden Worten sich beschweren:Sooft Preußen hier waren, hab' ich Einquartirung bekommen,heut aber haben sie mir keine gegeben."

Von Alzei zog also jetzt das ganze rheinhessische Korpsin einer Stärke von beiläufig 1500 Mann nach Pfedders-heim und den umliegenden kleineren Dörfern, wo Nachtgemacht wurde. Ein Detachement wurde auf dem Land-sitze des Herrn von Gagern bei Monsheim einquartiert und hatdie ihnen zu Theil gewordene Bewirthung nicht genugrühmen können.

Wir waren erst zwölf Stunden unterwegs und hattenbis dahin noch nicht das pfälzische Gebiet betreten, alswir schon die erste Probe der Konfusion zu schmecken be-kamen, wodurch sich überhaupt das pfälzische Kommandofast in allen seinen Phasen auszeichnete. Ein erster unsdurch einen Boten nach Wörrstadt überbrachter Befehl warvon dem provisorischen Oberkommandanten Fenner v. Fenne-berg*) erlassen und dirigirte uns nachDürkheim an derHaardt,von wo wir uns bis Neustadt ausdehnen und die von derwestlichen Ebene in's Gebirge führenden Pässe besetzen sollten.Um zehn Uhr Abends kam ein reitender Bote nach Pfedders-heim, welcher uns von dem Landesvertheidigungsausschuß

*) Fenner von Fenneberg , ehemaliger österreichischer Offizier,der in den Dienst der Pfälzer Revolution getreten war. Er gingspäter auch aus der Schweiz nach Amerika , wo er starb. Er hatMemoiren über seinen Antheil an der Wiener Oktober-RevolutionVeröffentlicht.